„Schwerter zu Pflugscharen“

Wie wird es weitergehen?

Predigttext: Jesaja 2,2-5
Kirche / Ort: Lübeck
Datum: 14.08.2011
Kirchenjahr: 8. Sonntag nach Trinitatis
Autor/in: Pastor em. Hans-Dieter Krüger

Predigttext: Jesaja 2,2-5 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,  3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.  4 Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.  5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, laßt uns wandeln im Licht des HERRN!    

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„Schwerter zu Pflugscharen“! Das sind die Worte, die uns bekannt sind und besonders ansprechen. Sie geben der Hoffnung Ausdruck, dass eines Tages die Kriege aufhören und Friede unter den Völkern einkehrt. „Schwerter  zu Pflugscharen“, da gibt es diese berühmte Bronzeplastik, die einen Hünen von Mann dar stellt. Mit gewaltigen Hammerschläge bearbeitet er ein großes Schwert. Dessen Spitze ist bereits gebogen, und man erkennt schon, wie sie die Form eines Pfluges annimmt. Der russische Bildhauer  hat diese Skulptur im Jahre 1959 gestaltet. In einem Moskauer Museum kann man sie besichtigen. Die damalige Sowjetunion hat es sich nicht nehmen lassen, eine Kopie dieses Werkes herzustellen und sie der UNO zu schenken. So steht sie in New York vor dem Hauptquartier der UNO und verkörpert die Sehnsucht der Menschen nach Frieden. „Schwerter zu Pflugscharen“, das war vor etwa 30 Jahren das Motto der Friedensbewegungen. Die meisten von uns können sich noch gut daran erinnern, wie die beiden großen Machtblöcke in Ost und West eine nie dagewesene Aufrüstung betrieben. Vor allem machten die Atomwaffen den Menschen Angst. Wir können froh und dankbar sein, dass es damals nicht zu einer kriegerischen Auseinandersetzung gekommen ist. Wir hätten sie wohl nicht überlebt. Es gab dieses unheimliche „Gleichgewicht des Schreckens“. Wir hatten zwar keinen Krieg, aber Friede sieht anders aus. Auf jeden Fall können wir sehr dankbar sein für über 60 Jahre ohne Krieg auf deutschem Boden.

Anfang der 80er Jahre wurde von Christen in Ost und West eine interessante und folgenreiche Diskussion angestoßen: „Frieden schaffen ohne Waffen“, hieß die Parole. Weil diese Formulierung für manche Ohren zu utopisch klang, gab es auch eine weniger rigorose Version dieses Mottos: „Frieden schaffen mit immer weniger Waffen“. Wer hätte damals damit gerechnet, dass diese Hoffnungen, jedenfalls für unsere Region, in Erfüllung gehen würden? Wer hätte gedacht, dass die Bitten um Frieden, die in fast jedem Gottesdienst fester Bestandteil waren, erhört würden? Zehn Jahre später war es soweit: Der Ostblock zerfiel. Die politischen Spannungen wurden abgebaut. Das ersehnte und erbetene Wunder geschah: Es wurde abgerüstet, Atomwaffen verschrottet, die Armeen verkleinert. „Schwerter zu Pflugscharen“: In der damaligen DDR besorgten sich Christen Anstecker und Aufnäher mit der Darstellung dieses eindrucksvollen Symbols für ihre Jacken und Mäntel  sowie Aufkleber für ihre Autos. Das entsprach ja auch der ideologischen Einstellung der DDR. Den Kindern, die sich auf die Jugendweihe vorbereiteten, wurde  in einem Lehrbuch z. B. erklärt: „Wir schmieden Schwerter zu Pflugscharen“. Das sollte die „Friedensliebe“ der DDR unterstreichen. Aber an den Aufnähern und Aufklebern der Christen mit demselben Symbol nahm man Anstoß, sah darin eine Provokation. Letztlich wurde das Tragen dieses Symbols verboten. Die meisten nahmen es gelassen. Manche antworteten mit leiser Ironie: Sie nähten einen weißen Flicken auf die entsprechende Stelle, und gelegentlich schrieb jemand mit Filzstift darauf: „Hier war mal ein Schmied“. Genützt hat dieses  Verbot dem DDR-Staat nicht. Nur wenige Jahre später warihre Regierung am Ende.

„Lasst uns wandeln im Licht der Herrn“, heißt es im letzten Vers unseres Predigttextes. „Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt“, sagt Jesus im heutigen Evangelium. Wie schön ist es, auch in unserer Zeit zu erleben, wie Gottes Verheißungen in Erfüllung gehen und seine Zusagen Wirklichkeit werden. Das geschieht nicht überall, aber dort, wo Gott Gnade dazu gibt. Ob sich die Bundesbürger darüber im Klaren sind, dass wir ein geschichtliches Wunder erlebt haben? Ich befürchte, dass viele gedanken- und danklos darüber hinweggehen. “Lasst uns wandeln im Licht des Herrn“: Da, wo wir als Christen in das Licht des Evangeliums treten, werden wir selber zu Trägern seines Lichtes. Je dunkler und trostloser unsere Umgebung ist, desto wirkungsvoller ist unser Dienst, in das Leben der Menschen einen Lichtstrahl der Hoffnung, der Zuversicht und Ermutigung zu bringen. Je liebloser und egoistischer sich die Gesellschaft darstellt, desto wichtiger und wohltuender für unsere Umgebung ist unser Dienst, hier als Salz zu wirken. Ich finde, dass Christen in der Friedensbewegung der damaligen DDR ihren Auftrag, Licht für die Menschen und Salz für die Gesellschaft zu sein,  verstanden und gut umgesetzt haben.

„Schwerter zu Pflugscharen“, das ist eine Hoffnung, auf deren Erfüllung noch viele Völker warten. Zeitungen und Fernsehen bringen täglich Nachrichten über kriegerische Auseinandersetzungen mit unzähligen Opfern. Die Völkergemeinschaft versucht, hier und da schlichtend einzugreifen. Große Erfolge sind nicht zu verbuchen. Dennoch sind alle friedensstiftende Bemühungen wichtig und der Unterstützung wert. Jede Mäßigung von kriegerischen Einsätzen ist ein Schritt hin zum Frieden. Wie wird es weitergehen? Als Christen geht es uns weder besser noch schlechter als anderen Menschen. Wir haben die gleichen Sorgen, freuen uns über ähnliches Glück, sind guter Dinge, wenn wir gesund sind und unsere Familien uns Freude bereiten. Wir sind niedergeschlagen, wenn sich Krankheit und körperliche Beschwernisse einstellen. Der Unterschied ist: Wir wandeln im Licht des Herrn. Jesus hat einmal von sich gesagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“.  In dieses Licht stellen wir unser persönliches Leben und das Geschick der Welt.

„Schwerter zu Pflugscharen“, am Ende wird es so sein, dass diese uralte, immer währende Sehnsucht der Menschheit gestillt wird. Es ist der Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt und seine Verheißungen erfüllt. Bis dahin wird die Zeit nicht leicht sein. Es wird viel Pessimismus um uns her sein und die Menschen werden klagen: „Was soll aus uns werden?“ Wir aber haben durch Gottes Wort eine sichere und zuverlässige Aussage, wie sich die Dinge gestalten werden: Die Weltgeschichte ist zielgerichtet. Sie läuft  auf den Tag hin, an dem in Erfüllung geht, was die Propheten des Alten und die Seher des Neuen Testamentes vorhergesagt haben: Die Kriege werden aufhören. Es gibt keine Hungersnöte.  Auch die Tiere werden in Frieden miteinander leben. Sorgen und Ängste sind vergessen. Das Wort „Krankheit“ ist unbekannt. Sogar der Tod ist überwunden. Die gebrochene Schöpfung wird versöhnt und entfaltet ihren Glanz und ihre ursprüngliche Schönheit wie vor dem Sündenfall. Auf diese Zusagen richtet sich unsere Hoffnung. In diesem Vertrauen gehen wir unseren Weg. Wir geben uns ganz in Gottes Hand in der festen Gewissheit: Er wird die Welt und unser kleines Leben zu einem guten Ende bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare on “„Schwerter zu Pflugscharen“

  1. Pastor iR Heinz Rußmann

    „Schwerter zu Pflugscharen“ und „Frieden schaffen ohne Waffen“ waren jahrzehntelang das Motto der Friedensbewegung in Deutschland. Darüber spricht Pastor Krüger zu Beginn ausgehend von der Jesaja-Vision recht ausführlich und interessant. Durch die Wiedervereinigung Deutschlands und das Ende einer atomaren Kriegsdrohung zwischen den beiden deutschen Staaten, haben die Bundesbürger danach „ein geschichtliches Wunder erlebt“. „Gott gab seine Gnade dazu“. Viele Christen, besonders in der DDR, haben dabei ihren Auftrag, „Licht der Welt zu sein“, unter Gefahren treu erfüllt. Aber viele Völker der Welt warten heute weiter auf Frieden. Der Prediger betont: Gottes Friede wird ganz gewiss kommen. Die Sehnsucht aller Menschen wird erfüllt. „Die gebrochene Schöpfung wird versöhnt und entfaltet ihren Glanz und ihre ursprüngliche Schönheit“.

    Die gut aufgebaute Predigt verbindet lebendig und aktuell die Friedens-Vision des Jesaja mit Jesu Worten, der Friedensbewegung und der Vollendung der Welt. Man wird als Hörer hineingezogen in die positiven Gedanken und Visionen. Die kritischen Perspektiven aber werden wahrheitsliebend und vertrauenschaffend nicht einfach übergangen, z. B. das Dilemma, ob in bestimmten Situationen das Schwert, also kriegerische Gewalt, eingesetzt werden müsse. Am Ende steht fest und seelsorglich die Vision des ewigen Friedens für uns bei Gott. Ein überzeugend formulierter starker Trost.

  2. Gerhard Leiser

    Schön, dass ER den Frieden schaffen wird. – Zwei Fragen: 1) Wann geht die „Weisung aus Zion“ endlich von Jerusalem aus in alle welt – oder geschieht das durch Jesus Christus jetzt schon? 2) Haben wir – die Hörer/innen der Predigt – etwas dazu zu tun und was zum Beispiel?

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