Die Bibel im Bild
Die Bibel im Bild, Band 1-5, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart 2024. gebunden; je Band ca. 170 S. mit jeweils eigener ISBN-Nummer, 138,-- €
Es gibt sehr viele deutsche Bibelübersetzungen für Erwachsene. Und für Kinder gibt es seit der Neuzeit viele Versuche, biblische Geschichten nachzuerzählen, manchmal mit, sehr selten ganz ohne Bilder. 1975 schuf der haitanische Künstler André LeBlanc (1921-1998) eine Bildbibel, die weltweite Verbreitung fand. Zum ersten Mal erschien sie in Deutschland zwei Jahre später. Nun anzuzeigen sind die ursprünglich 15 Einzelhefte, zu einerr fünfbändigen Jubiläumsausgabe gebunden, in einem stabilen Schuber. Zu diesem Klassiker der Bibel-Comics für Kinder und Jugendliche die folgenden Bemerkungen.
Inhaltlich steht Heft 1 uter der Überschrift „Der Berg bebt“, die folgenden Hefte dann so: Heft 2 „Spione in Jericho“, Heft 3 „Die Falle in Gaza“ , Heft 4 „Späher in der Nacht“; Heft 5 „Verrat und Aufruhr“, Heft 6 „Antwort mit Feuer“, Heft 7 „Der Wagen aus Feuer“, Heft 8 „Kapitulation“, Heft 9 „Die letzte Botschaft“, Heft 10 „In die Fremde“, Heft 11“Sklave in Ägypten“, Heft 12 „Der König kommt“, Heft 13 „Schuldlos verurteilt“, Heft 14 „Die Ketten fallen“ und Heft 15 „Unterwegs für Gott. Sehr gut finde ich, dass vor jeder Geschichte der zu Grunde liegende Bibeltext genannt ist.
Welche einzelnen kleinen oder größeren Fragen man an dieses oder jenes Heft stellen könnte, sei dahingestellt. Jeder Versuch, die biblische Botschaft in Wort oder / und Bild weiterzusagen ist ja zuerst einmal zu begrüßen, ein offenbar soerfolgreicher wie dieser allzumal.
Fraglich ist mir dann allerdings, ob diese hier zu besprechende Zusammenstellung vollumfänglich geglückt ist. Denn etwa der erste Sammelband beginnt nicht wie zu erwarten mit der Schöpfung (Gen 1-22 steht erst in Band 4; beim Thema Schöpfung oder Gen 3 ist jedoch dort nicht eine einzige, auch nur kleine Spur von Nacktheit dargestellt.). Auf dem Buchdeckel sieht man drei Bilder, eines davon vergrößert dann auch vor der Inhaltsangabe: Mose steht in großer Gestalt mit erhobenenen Händen da, bereit die Gebotstafeln auf dem Boden zu zerschmettern. Das ist sicherlich nicht unberechtigt, aber das als erstes großes Bild?
Band 2 beinhaltet in 19 Episoden1.Sam 5,3 bis 1.Sam 29,11 recht ausführlich, Band 3 dann 1.Kön – Maleachi. Band 4 beginnt mit der Schöpfung (s.o.) und findet dann seinen Hauptinhalt im Schicksal Abrahams und reicht bis ans Ende der Gen, sowie dem Beginn des Buches Ex; ab S. 117 beginnt dann das NT („Der König kommt“). Er endet etwas abrupt und rätselhaft und drei deshalb unglücklich so, dass man nach der Leidensankündigung Jesu auf einem letzten Bild drei Jünger sieht. Die dabei stehenden Worte haben mit dem Bild jedoch nichts zu tun.
Der letzte der fünf Bände endet S. 194-196 mit Paulus´ Gefangenschaft in Rom. Er sitzt da und schreibt an einem Brief. Wie herausfordernd wäre es, etwa 1. Kor 13 zu bebildern?! Dies unterbleibt jedoch. Der Band endet mit zwei Notizen, die erste zu Nero und dann: „Trotz aller Verfolgungen brannte die Flamme des Glaubens weiter.“
Am Ende möchte ich etwas zweifaches festhalten: Keine Frage, die ´Bibel im Bild´ ist ein Klassiker der Bibel-Comics und ist sicherlich ein schönes Geschenk für langjährige Fans oder Retro-Sammler. Und diese Ausgabe vermittelt unterhaltsam und leicht verständlich die wichtigsten biblischen Geschichten. Wichtiger ist mMn dies: Medienpädagog/innen müssten darüber urteilen, ob seit der neu gewordenen medialen Welt nicht auch die Lese- und Sehgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen sich so radikal veränderten, dass sie als Kohorte längst weiter sind und sie diese Form der Bibel nicht mehr (be-)achten. Interessant wäre auch die Einschätzung renommierter Illustratoren, beispielsweise von Rüdiger Pfeffer.
Gerhard Maier