Ein Versuch zu beten in Zeiten von Corona

Vor wenigen Wochen zum Jahresbeginn

Frühlingsbote  –  Foto: Petra Neumann-Janssen

haben so viele von uns gesungen
voll Glauben und Zuversicht mit Dietrich Bonhoeffers Worten
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag…”

Nun aber stehen wir vor Rätseln,
sind gar nicht mehr getrost, sondern unsicher
und wissen kaum noch, was richtig zu tun ist.

Wir hören viele Erklärungen und noch mehr Warnungen,
wir wissen kaum, woher dieses Böse plötzlich kommt,
erschrecken vor täglich neuen Zahlen
und Folgen, die uns Angst machen.

Einerseits die peinvollen Bilder aus Krankenhäusern
wie nach einem unsichtbaren Unfall,
alles verhüllt, weil nur so besiegbar,
während zugleich inmitten eines fröhliche Frühlings
doch vieles noch so gesund verläuft.

Ja Herr, die Angst vor dem geheimen Bösen hat uns erfasst,
hat uns fest im Griff, selbst wenn wir uns dagegen wehren,
bei allem auch noch lachen, reden und scherzen
oder mit bitteren Witzen uns weiter zu retten versuchen.

Wahrlich, es ist schwierig geworden, ruhig damit umzugehen.
Daher, oh großer unbekannter Gott, wir stehen vor Fragen –
sind es Klagen oder Fragen? wissen nicht mehr das rechte zu sagen
– oder sind’s abfällige Bemerkungen wie Müll und wie Schrott?

Frühere Geschlechter fragten in Zeiten der Not:
Gott, warum schickst du uns solch ein Übel?
Sie riefen laut: Was ist j e t z t dein Gebot?
Was haben wir falsch gemacht? Wo haben wir gesündigt?

Wahrlich, so fragten die früheren Generationen,
nicht erst seit den Zeiten Israels, schon früher
und immer wieder, viel öfter als wir. – Ja wir?

Jedoch in den Zeiten der Wissenschaft
haben wir uns das Suchen und Bohren
nach Sünde und Schuld abgewöhnt.

Zwar klagten und wunderten wir uns häufig
über unseren teuren Lebensstil,
dennoch aßen wir reichlich eingeflogene Speise,
fuhren, verbrauchten und flogen viel.

Doch rückwärts schauen? Religiös reflektieren?
Schuld suchen, gestern heute und hier?
Global nicht akzeptabel, sehr unzeitgemäß!

Vorwärts schauen, Lösungen suchen – nur das wäre zeitgemäß.
Haben wir – wer? – Du und ich – und Wir da
einen groben Fehler gemacht? WIR? Etwas unterlassen?
Ist das Virus am Ende die Antwort auf solche Fehler?

Oder ist das kleine Böse eben nur ein Zufall –
wie ein großer Meteor halt eben
mal das Gesichtsfeld der Erde streift –
dann aber alsbald vergessen wird.
Oder stehen wir erst am Anfang eines größeren Gerichts?

Herr, wir bitten um Klarheit – für uns,
die wir einerseits weitgehend normal leben
und andererseits in einer Angst, die uns verrückt macht.

Du hast uns Jesus Christ, den Er-Löser geschickt,
der allen seinen Freunden immer wieder sagte:
Fürchtet euch nicht! Seid mutig, auch klug,

Starret nicht auf die Katastrophen oder Wunder,
als ob Gott sich allein darin zeigen wollte.
Aber sie sind sehr wohl ein Signal, auch Buße zu wagen.

Gewiß, ihr werdet Gott finden, mitten unter euch,
wenn gut ihr zusammenlebt und -haltet,
diese Welt ordentlich gestaltet –
auch ihre wie eure Grenzen erkennt.
Und Gottes Gebote, auch Liebe und Rücksicht mehr walten.

Vielleicht ist diese seltsame Pause,
die Du unserem hektischen Wirtschaftsleben auferlegst,
sehr sinnvoll und gut,

ein Sabbat nach großem Betrieb und Krieg
wie ihn Alt-Israel erlebte, bevor es neu zu denken anfing,
wie das alte Buch 2.Chronik 36,21 berichtet.

Geleite uns bitte in Ruhe durch diese schwierigen Zeiten,
Bewahre uns vor Versäumnissen, aber auch vor übereilten Schritten.
Erhalte alle, die dir und und den Menschen dienen, in ihrer Kraft.

Dir, Herr der Schöpfung und der Geschichte,
sei trotz aller Fragen und Klagen
Lob, Preis und Ehre. Amen.

Helmut Staudt, Gaiberg b. Heidelberg

Ein Kommentar zu “Ein Versuch zu beten in Zeiten von Corona

  1. Christoph Kühne, Hamburg

    Corona scheint mir ein Brennglas zu sein, in dem wir alles schärfer – und ein bisschen verzerrter(!) sehen. Heute noch beten? Vielleicht einige Anmerkungen zu dem Gebet von Helmut Staudt:

    Ja, es ist ein „geheimes Böses“, das uns erfasst hat.
    Woher kommt es? Es gibt einige „alternative“ internet-Auftritte, die wirtschaftliche und politische Machtbedürfnisse vermuten.
    „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will …“ (D. Bonhoeffer). K. Lorenz: Das sog. Böse. Wie viele kreative Lösungen entstehen z.Z.?!!
    Thema Sünde und Schuld – vs. Fehler und Unterlassung. Wo bleibt Gott? Wer ist „Herr“, den Staudt anruft? Woran erkenne ich Gott unter uns?
    Ja, diese Zeit ist ein Sabbath! Eine Pause.
    Zum Beschluss ein Lobpreis. Amen – ja, so ist es: Neues entsteht – jetzt schon. Das „Ende der Geschichte“ ist zu Ende. Wir sind auf einem neuen Weg. Ob fake oder nicht – welche Art von Verzicht lohnt sich?
    Und dann: Predigen in Zeiten von Corona?

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