Rainer Riesner, Das Evangelium des Lukas
Rainer Riesner, Das Evangelium des Lukas. Kapitel 1-10, SCM-Verlagsgruppe Holzgerlingen / Brunnen-Verlag Gießen 2026, gebunden839 S., 105,-- €
Nach den neueren Lukaskommentaren von François Bovon (1989) und Wilfried Eckey (2004) – diese waren mir neben älteren zur Hand – nun der neueste Kommentar aus der Feder des Hengel-Schülers Rainer Riesner. Einen allerersten, nur sehr beiläufigen Eindruck: Riesners Literaturverzeichnis weist fünf lange Seiten Lukaskommentare auf. Seiner soll aufgrund einiger allerersten Stichproben dreifach vorgestellt werden.
Eine Gemeinsamkeit der drei genannten Kommentare besteht darin, dass im ersten Teilbandjeweils ungefähr dieselbe Stoffmenge bewältigt wird (Bovon 1,1-9,50 und Eckey und Riesner jeweils 1,1-10,42). Beim Umfang ihrer Einleitungen fällt jedoch auf, dass Bovons nur ungefähr 10 S. umfasst, Eckeys ungefär 30, Riesners dagegen mit ungefähr 100 S. ausgesprochen ausführlich ausfällt. Dies hängt wohl damit zusammen, dass er – auf seiner Tübinger Dissertation „Jesus als Lehrer“ (1.Aufl. 1981, 4.Aufl. 2023) rekurrierend – drei erste Abschnitte zu Evangelium / Evangelien, dem Ursprung in Jesus und der Weitergabe der Überlieferung vor die üblichen Einleitungsfragen stellt.
Des weiteren positioniert sich der vierköpfige Herausgeberkreis – Riesner ist einer davon – im zweiseitigen Vorwort insofern doppelt, als sie erstens in ihrer Kommentarreihe eine „historisch -theologische Auslegung des Neuen Testamentes“ erreichen wollen und zweitens über die wissenschaftliche Auslegung hinaus eine „geistliche Auslegung“ anstreben und sie alle Auslegung letztlich als „Dienst in der Gemeinde und für die Gemeinde“ verstehen. Nicht zuletzt deshalb werden griechische bzw. hebräische oder aramäische Worte übersetzt und in Umschrift wiedergegeben.
Ohne weitere Informationen oder Bemerkungen drittens nun zu dem wohl bekanntesten Textabschnit des Lukasevangeliums, nämlich der Weihnachtsgeschichte. Sie wird vermutlich jährlich am Heiligabend in jeder evangelischen Kirche – zumindest in gekürzter Form – verlesen. Und sie ist in Reihe I am Christfest ordentlicher Predigttext (Luk 2,1-14 [15-20]).
Alle drei genannten Kommentare bearbeiten diesen Textabschnitt in ungefähr demselben Umfang. Dabei fallen zwei Dinge auf: Bovon – sein Luk-Kommentar besteht aus drei Bänden; Riesners wird laut einer persönlichen Mittelung zweibändig werden – bezieht sich in der „Wirkungsgeschichte“ (dem Spezifikum der EKK) auf zwei Luther-Predigten, Riesner rekurriert auf Bengels Gnomon.
Das zweite ist zweifellos das wichtigere: Auf S. 200 gliedert Riesner „Geburt und Kindheit Jesu (2,1-52)“ in sieben Abschnite, die Luk- vergleichbar mit 1,5-80 – zu einer „Ringkonposition“ gestaltet.“ Die Darstellung beginnt mit einer Zeitangabe, welche die Geschichte Jesu mit der Weltgeschichte verbindet.“ Lokal ist das Geschehen auf Bethlehem, das Hirtenfeld und vor allem auf den Tempel in Jerusalem fokussiert.
Nach vielen textkritischen und historischen Informationen undErklärungen qualifiziert Riesner S. 226f den Ort, die Zeit und die Zeugen der Geburt Jesu näher. Der Gipfel liegt dann in Maria; S. 231 erkennt Riesner in ihrein „Vorbild dafür …, das Handeln und die Worte Gottes treu im Gedächtnis zu bewahren und weiter darüber nachzudenken, selbst wenn die Erkentnis ihrer Bedeutung und Tragweite vorerst noch begrenzt bleibt“.
Insgesamt kann den beiden Verlagen unbedingt zugestimmt werden. Riesners Kommentar ist „ideal für Predigt, Bibelarbeit und Studium – ein Gewinn für Lehrende, Studierende und die Gemeinde“. Die hohen Anschaffungskosten machen sich über die Länge des Gebrauchs sicherlich bezahlt. Deshalb: „Nimm und lies! Es wird sich lohnen.
Gerhard Maier, im Mai 2026