Predigt

"Almosen"

Taten, die wohltun

PredigttextMattäus 6,1-4
Kirche / Ort:22949 Ammersbek-Hoisbüttel / Hamburg
Datum:25.08.2013
Kirchenjahr:13. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pastor Christoph Kühne

Predigttext: Matthäus 6,1-4 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

1 Habt acht auf eure Frömmigkeit, daß ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. 2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 3 Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, 4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

(Eigene Übersetzung, Christoph Kühne)

1 Hütet Euch davor, dass ihr eure Gerechtigkeit (Var: Wohltat, Almosen) nicht macht vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden! Andernfalls - ihr habt keinen Lohn vor eurem Vater in den Himmeln. 2 Wenn du nun ein Almosen tust, posaun es nicht vor dir her, wie die Heuchler es tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie geehrt werden von den Menschen; Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn längst quittiert bekommen! 3 Wenn du ein Almosen tust, soll deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, 4 damit dein Almosen im Verborgenen bleibe; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird (es) dir (Var: selbst) (Var: öffentlich) zurückgeben (vergelten).

Gedanken beim Lesen

Einige Formulierungen sind in unseren Wortschatz übergegangen: Die rechte Hand soll nicht wissen, was die linke tut. Und auch die sog. christliche Bescheidenheit mag hier ihren Ursprung haben. Warum soll man nicht sagen, ob und wieviel man gespendet hat? Bedeutet das gleich ein Höherstellen, eine Arroganz? Will ich von den Menschen „in den Gassen“ gelobt werden? Warum eigentlich nicht?

Neugierig macht mich der „Vater, der ins Verborgene sieht“. „Gott sieht alles.“ Auch damit hat man Menschen verschreckt und klein gehalten. Will dieses Jesuswort wirklich Menschen klein halten? Und: Was hilft mir hier, wenn ich von dem Vater droben gelobt werde? Und soll ich diese Theologie und Ethik den Menschen unter der Kanzel predigen? Wo ist denn da Gottes Wort?

Zum Predigttext

V.1 pros-echō = attention: Achtung! – lectio difficilior: „Gerechtigkeit“ statt „Wohltat“; das Thema der Perikope wird angesprochen: „Gerechtigkeit tun, üben“ poiō 5x im Text: Wohltat „tun“ (V.1,2,3) – Heuchler „tun“ V.2, - die Hände „tun“ V.3 (lat.) coram hominibus – 2 eleaemosynae = Wohltat (nicht nur Almosen!), „Almosen tun“ = zedākā āsā z.B. zu Beginn von Jes III (Jes 56,1 Gerechtigkeit üben, denn das Heil ist nah) - „Posaun es nicht heraus!“ – V.4 Koine und einige Handschriften verstärken: Gott selbst wird öffentlich zurückgeben, „vergelten“.

Der Text MtS hat keine besonderen Schwierigkeiten. Er ist schlicht gefasst und eindeutig. Die Einleitung „Vorsicht!“ (V.1) weist auf das Thema „Almosen, Wohltat“ hin. - Synagoge + Gasse = Öffentlichkeit + „Winkel“ - der Ort der Heuchler, die sich und den Anderen etwas (?) vormachen. Das Amen (V.2b) betont eine erfolgte Abrechnung. Das „Erwerbs-Leben“ ist schon hier (?) zu EndDagegen geschieht die „Vergeltung“ von Gott selbst und öffentlich (V.4).

Welche Bedeutung hat „Gerechtigkeit“, welche „Wohltat“ für Mt? „Wohltat, Almosen“ - griech. eleaemosýnae - abgeleitet von éleos - ist die Gemütsbewegung der „Rührung, die jemanden angesichts eines Übels, das einen anderen (unverschuldet) betroffen hat, ergreift“ (R. Bultmann), also das Mitleid, Erbarmen, die Barmherzigkeit. Sie bilden den Gegensatz zum Neid auf das Glück des anderen (LNT 52). In der LXX steht eleaemosýnae für das hebr. chaesaed = bundesgemäßes Verhalten, eine Solidarität, die die Bundespartner einander schuldig sind (LNT 53). Mt gebraucht eleaemosýnae nur an dieser Stelle. Lk 11,41. 12,33 (ohne Besonderheit), Apg kennt das Geben von Almosen (7 Stellen). Mk und Joh gebrauchen das Wort ebenso wenig wie Paulus und die anderen ntl. Autoren.

Ist Mt 6, 1-4 der locus classicus, die „Urszene“, für das Almosengeben der jungen christlichen Gemeinde? Im AT ist eleaemosýnae die „Übersetzung“ von zedākā und meint das rechte Verhalten eines Menschen überhaupt, das sich in der „barmherzigen Liebe“ äußern kann - und schließlich im Almosen; z.B. in den Sprüchen Pr 10,2. 11,4-6.18f. 12,28. 13,6. Was ist richtig, gerecht? Das AT gebraucht „Gerechtigkeit“ als einen Begriff, der sich an eine Beziehung angleicht. So kann ein Verhältnis richtiggestellt werden und ist dann „gerecht“. Vgl. dagegen das griechische Ideal der Gerechtigkeit. Von diesen Gedanken her ist die „Gerechtigkeit“ im 1. Vers ein Hinweis auf ein richtiges Verhalten - es könnte statt („hebräisch“) dikaiosýnae auch („griechisch“) eleaemosýnae stehen.

Betrachtung

Gott, was ist richtig, was falsch? Ich möchte leben, dass sinnvoll wird, was ich tue. Unsicherheit und Sicherheit wechseln sich ab. Ich brauche dein Wort, um zu leben.

Gott, ich lebe mit Menschen, möchte ihnen gerecht werden, ihnen helfen. Meine Gefühle schwanken zwischen Zorn und Liebe. Ich brauche dein Licht, um zu leben.

Gott, ich habe meine Aufgaben und Pflichten. Ich bin verantwortlich für das rechte Maß. Barmherzigkeit und Gewissheit stehen vor mir. Ich brauche dich, um zu leben.

Lieder

„All Morgen ist ganz frisch und neu“ (EG 440) „Halleluja, Suchet“ (EG 182) „Ich ruf zu dir“ (EG 342, Wochenlied)

Neuigkeiten

Heinz Janssen: Aus den Quellen schöpfen

Die mit exegetischen Impulsen, Gebeten und einem Essay zu "Exegese und Homiletik" verbundenen Auslegungen wissen sich in einer weltweiten Communio, die "aus den Quellen des Heils" schöpft (Jesaja 12,3)... mehr lesen

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Heinz Janssen
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