Predigt

Brot des Lebens - Kelch des Heils

Einander Zeichen des Friedens geben

Predigttext1. Korinther 10,16-17 (mit exegetischen und homiletischen Hinweisen)
Kirche / Ort:Lübeck
Datum:29.03.2018
Kirchenjahr:Gründonnerstag
Autor:Pastor em. Rudolf Albrecht

Predigttext: 1. Korinther 10,16-17 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

16 Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? 17 Denn ein Brot ist’s. So sind wir, die Vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Exegetische und homiletische Hinweise zum Predigttext

Paulus nimmt in 1.Kor 10,16+17 das Abendmahl als Kriterium für das Wesen und Verhalten der Gemeinde. Er nennt den Kelch zuerst, weil er so die Stichworte Brot und Leib von V17 direkt an V16b anschließen kann. Der Kelch des Segens „ist“ die sakramentale koinonia, die Teilhabe am Blut Christi, ist die Identifizierung des genossenen Weines mit dem Tod Christi als Heilsereignis. Das Brot ist als sakramentale koinonia die Teilhabe am Leib Christi. Durch die rhetorischen Fragen setzt Paulus diesen Sinn als anerkannt voraus.

Die Feiernden, die sich im gemeinsamen Genuss von Brot und Wein den Leib und das Blut ihres erhöhten und verherrlichten Herrn einverleiben, sind nicht „wie“ ein Leib, sondern „der“ Leib Christi. Konstitutiv ist nicht der Genuss der Elemente, sondern die Teilnahme am Mahl. Sie erbaut nicht vorrangig den Einzelnen, sondern schließt die Vielen zum Christus-Leib zusammen. Der Einheit der Gemeinschaft entspricht die exklusive und kollektive Scheidung der Kirche von den Dämonen (V21), von allen Mächten und Göttern. (Vgl. H. Conzelmann, Der erste Brief an die Korinther, 1969, S. 200-204 incl. Anmerkungen; ThWB zum NT, Bd. III, bes. S.805f; R. Bultmann, Theol. des NT, 3.Aufl. 1959, S.148f; u.a.).

Innerhalb des ersten Stadiums seiner Abendmahlslehre/n (bis 1524, besonders im Abendmahlssermon von 1519) betont Martin Luther den Gemeinschafts-Gedanken und entwickelt am Abendmahl als Sakrament der Gemeinschaft und der Liebe seine Aussagen von der Kirche als communio sanctorum (s. dazu u.a. Paul Althaus, Die Theologie Martin Luthers, Gütersloh 1963, S.318ff).

In den beiden Versen des Predigttextes spricht Paulus zwei zentrale Gedanken seiner Theologie aus: im Blut Christi, in seinem Tod am Kreuz, ist unser Heil begründet, und: die Gemeinde/die Kirche ist die Inkorporation in Christus. Dieser Kontext mit der paulinischen und auch lutherischen Theologie sollte m.E. nicht übergangen werden. Mit ihrer Teilhabe am getöteten und heilswirksamen, machterfüllten Leib Christi haben die Glaubenden als weltweite, versöhnte und versöhnende, exklusive Gemeinschaft mit Christus und der Christen untereinander Anteil an seiner wirkungskräftigen Wirklichkeit als einer falsche Herrschaftsverhältnisse überwindenden Macht.

Der Kontext mit den Kapiteln 10 und 11, in denen Paulus die Unvereinbarkeit von der Teilnahme und Teilhabe am Abendmahl und des Genusses von Götzenopferfleisch konstatiert, kann sachlich unberücksichtigt bleiben (vgl. Gottesdienstpraxis A IV,2/2000, S.101), wie auch längere theologische Erläuterungen zu Gründonnerstag und Passion und Abendmahl, u.a.m. unterbleiben können. Es geht um Gemeinschaft und Einheit der Feiernden mit Christus und untereinander, um körperlich wahrnehmbare Erfahrung und um die Konsequenzen im Alltag.

Wie die Feier vorbereitet und gestaltet werden kann: z.B. als Feierabendmahl an Tischen (schön und reich gedeckt, statt Oblaten Brot, das gebrochen und als Zeichen der Gemeinschaft weiter gereicht wird, u.a.m.) mit einer Mahlzeit und Tischgesprächen, dazu gibt es reichlich Material mit Gestaltungsvorschlägen, Gebeten, usw.- z.B. in den Predigtstudien IV,1 von 1999, S. 229ff bis zu 2017/18, S. 195ff; oder in Gottesdienstpraxis jeweils IV, 2 ab 2000 bis 2018; auch im Internet kann mit dem Stichwort “Feierabendmahl Gründonnerstag“ Information (zur Vorbereitung und Durchführung, mit Texten) eingeholt werden (z.B. vom Gottesdienstinstitut Nordelbien).

Die Predigt wie auch die Liturgie können um der Feier und Gesprächsmöglichkeit willen kürzer ausfallen. Mir ist es wichtig, zur Sprache zu bringen: Eine Abendmahlsfeier ist intensiver als andere Tischgemeinschaften; sie hat Konsequenzen für unseren Alltag; wir dürfen das Evangelium unseren Mitmenschen nicht schuldig bleiben; von Gründonnerstag gehen wir über Karfreitag zum Ostersonntag weiter. Ein möglicher Beginn der Predigt kann die Erzählung vom alten Bäcker und seinem Laden in der Jakobstraße in Paris sein.

Hauptgedanken: Wir feiern Abendmahl und werden eine intensive Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander und haben teil an seinem Leben und Heil. Was uns an Liebe und Frieden im Gottesdienst geschenkt wurde, müssen wir an unsere Mitmenschen im Alltag weitergeben.

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