Predigt

"Es muss im Leben mehr als alles geben …"

Leiden und Tod, Ungerechtigkeit und Hass, Leistungsdruck und Scheitern bleiben bedrückende Lebenserfahrungen, aber sie behalten nicht das letzte Wort

PredigttextRömer 8, (12-13) 14-17 - mit exegetischen und homiletischen Hinweisen
Kirche / Ort:St. Martinskirche / Spenge
Datum:28.08.2016
Kirchenjahr:14. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrerin Brigitte Janssens

Predigttext: Römer 8, (12-13) 14-17 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

12 So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, daß wir nach dem Fleisch leben. 13 Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben. 14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! 16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. 17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Exegetische und homiletische Vorüberlegungen

Das Thema des 14. Sonntags nach Trinitatis erklingt im Wochenspruch Ps 103, 2. Die im eigenen Leben erfahrene Güte Gottes ermutigt zum Lob Gottes in der gelebten Gottesbeziehung und zur gelebten Dankbarkeit im Alltag der Welt. Diese Denkbewegung im Predigttext zu entdecken und nachzuvollziehen, verlangt gewisse theologische Klimmzüge. Sie erschließt sich jedoch, wenn man die paulinischen Gegensatzpaare „Leben nach dem Fleisch“ und „Leben durch den Geist“, sowie daraus folgernd „Gesetz und Gnade“, „Zuspruch und Anspruch“ mit menschlicher Lebenserfahrung füllt.

Für die mit Gottes Geist begabten Kinder enden christliche Hoffnung und Einsatz für das Leben nicht an den Grenzen der Wirklichkeit unserer Welt, sondern führen darüber hinaus. Leiden und Tod, Ungerechtigkeit und Hass, Leistungsdruck und Scheitern bleiben bedrückende Lebenserfahrungen. Aber sie behalten nicht das letzte Wort. Weil wir als Kinder Gottes zugleich Miterben Jesu Christi sind, wissen sie um die Liebe Gottes, die über den Tod hinaus reicht und leben aus der Hoffnung, die weiter reicht als die Faktizität des Faktischen.

In Nordrhein- Westfalen ist der 14. Sonntag nach Trinitatis der letzte Sonntag in den Sommerferien, in unserer Gemeinde zudem ein Taufgottesdienst. In der Gemeinde werden noch ganz gegenwärtig sein die schönen Erfahrungen aus dem Urlaub, aber auch die Ereignisse in der Weltpolitik. Das Erschrecken über die Attentate in Europa, in Deutschland und die politische Diskussion um die Innere Sicherheit bringen durchaus auch die Frage nach der eigenen Sicherheit zum Klingen. Verunsicherung, Bedrohtheit oder Angst lassen sich für viele nur schwer in Worte fassen, sind real und doch nicht konkret. Die Gäste aus der Partnergemeinde in den USA lenken den Blicke sehr konkret auf den Wahlkampf in Amerika, nicht das einzige Land, in dem die Mächtigen mehr Verunsicherung verbreiten als Sicherheit bieten. Neben diese von Vielen geteilten Lebenserfahrungen treten die ganz eigenen konkreten Hoffnungen und Befürchtungen: die der jungen Eltern, die ihre Kinder in diesem Gottesdienst taufen lassen, die der Liebenden, die vor ihrer „Sommer-Hochzeit“ stehen, die der Trauernden, die in Abschied zu hatten von einem vertrauten Menschen.

So sind beide von Paulus beschriebenen Existenzweisen – nach dem Fleisch wie durch den Geist – präsent, nicht als Gegensätze, sondern als Dimensionen des eigenen Lebens. Als Kindern Gottes und Miterben Christi versichert uns Paulus, dass es die Kraft der Hoffnung ist, die uns aus der Lähmung oder Starre der Angst aufbrechen und nächste Schritte wagen lässt.

Gebet nach der Predigt

Herr, segne uns, laß uns dir dankbar sein, laß uns dich loben, solange wir leben, und mit den Gaben,die du uns gegeben, wollen wir tätig sein.

Herr, sende uns, laß uns dein Segen sein, laß uns versuchen, zu helfen, zu heilen und unser Leben wie das Brot zu teilen, laß uns ein Segen sein.

(Lothar Zenetti – Zwischentext nach EG RWL 607)

Lieder

"Ich möcht‘, dass einer mit mir geht" (EG 209) "In dir ist Freude" (EG 398) "Herr, wir bitten: Komm und segne uns" (EG RWL 607, als Lied vor der Predigt "Vertraut den neuen Wegen" (EG 395)

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