Predigt

Familie

"Meine Mutter? Meine Brüder? Wer soll das sein? ..."

PredigttextMarkus 3,20-21.31-35
Kirche / Ort:Ev. Friedrichsgemeinde / Worms
Datum:10.09.2017
Kirchenjahr:13. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrerin Dorothea Zager

Predigttext: Markus 3,20-21.31-35 (Übersetzung nach Martin Luther)

Jesu wahre Verwandte

20 Und er ging in ein Haus. Und da kam abermals das Volk zusammen, sodass sie nicht einmal essen konnten. 21 Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn ergreifen; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen. ... 31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Exegetische Vorbemerkungen zu Markus 3,20-35

Auf die Schilderung des erfolgreichen Wirkens Jesu (Kap. 7-12) und der Berufung der Zwölf (Kap. 13-19) folgt als Kontrast die Ablehnung durch Schriftgelehrte und die eigene Familie. Da die Auseinandersetzung Jesu mit den Schriftgelehrten (Mk 3,20-30) eingeschlossen ist in die kurze Perikope über Jesu wahre Verwandte (Mk 3,31-35) empfehle ich, beim Verlesen des Predigttextes die Verse 20f. mit in die Perikope hineinzunehmen. Beide Szenen – für die sich übrigens weder Matthäus noch bei Lukas klare synoptische Dubletten sondern nur inhaltliche Anklänge finden – haben eines zum Thema: Jesu Vollmacht (Exousia) wird verkannt.

Die aus Jerusalem angereisten jüdischen Autoritäten (22a) bezweifeln, dass Jesu Vollmacht eine Wirkung des ihm von Gott verliehenen Heiligen Geistes ist, und werfen ihm vor, seine Kraft, Dämonen auszutreiben beziehe er nicht von Gott selbst, sondern durch Beelzebul, dem „Herrscher der Dämonen“ (22b). Auch seine leiblichen Verwandten verkennen Jesus. Es ist ihnen unverständlich, warum er sich mit jeder Menge fremdem Volk umgibt (20). Sie erklären ihn für verrückt (21b) und versuchen, ihn nach Hause in die Familie zurück zu holen (21a; 31). Jesu Gegenfrage, wer denn seine wirklichen Verwandten sind (33), ist durchaus nicht als eine rhetorische Frage zu verstehen.

Jesus distanziert sich nicht nur von seiner leiblichen Mutter und den leiblichen Brüdern, indem er überhaupt nicht mit ihnen spricht. Sondern trifft zugleich eine für sie noch schmerzlichere Entscheidung: Nicht diese da draußen sind meine Familie, sondern die Menschen, die hier mit mir zusammen sind (34). Dass diese Aussage mehr ist als nur die Feststellung, dass Jesu neue Familie seine Freunde und Jünger sind, macht der Vers 35 deutlich: Derjenige und diejenige gehören zur neuen Familie Jesu, die Gottes Willen tun. Damit ist die Frage der Vollmacht Jesu eng verknüpft mit der Frage der Nachfolge.

Nur wer die Vollmacht Jesu anerkennt und zugleich bereit ist, den Willen Gottes glaubwürdig zu leben, darf sich zu seiner Familie zählen. Dieser Schwerpunkt ist m.E. auch für die Predigt von entscheidender Bedeutung: Es wird nicht darum gehen, das Familienleben oder das Zusammengehörigkeitsgefühl einer „normalen“ Familie klein zu reden, sondern die Mitchristen zu ermutigen: Gleich in welchen Lebensbeziehungen sie sich auch immer befinden – Freundschaften, Ehe, Familie – es sollte jedem Mitchristen ein Anliegen und ein Ziel sein, auch der Familie Gottes anzugehören, in der Menschen vereint sind, die Jesus Christus als die Autorität ihres Lebens anerkennen und den Willen Gottes im Alltag umsetzen.

Literatur: Dieter Lührmann, Handbuch zum Neuen Testament 3. Das Markus_evangelium, S. 73-78; Joachim Gnilka, Evangelisch-katholischer Kommentar zum Neuen Testament II/1. Das Evangelium nach Markus (Mk 1-8,26), S. 152-155.

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