Predigt

Geburt der Hoffnung

Immanuel - Gott mit uns

PredigttextJesaja 7,10-14 (mit exegetischer und homiletischer Einführung)
Kirche / Ort:Magdeburg
Datum:26.12.2021
Kirchenjahr:Christfest (2)
Autor:Dr. habil. theol. Pastor Günter Scholz

Predigttext: Jesaja 7,10-14 (Übersetzung ach Martin Luther, Revision 2017)

10 Und Jesaja redete abermals zu Ahas und sprach: 11 Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! 12 Aber Ahas sprach: Ich will's nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche. 13 Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist's euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? 14 Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Exegetische Bemerkungen zum Predigttext

Ich gehe von einem authentischen Jesaja aus (Jesaja [auth.]), der in Kap. 6 zum Unheilspropheten berufen wird. Seine Botschaft ist das Zu-Spät (6,9f). Es gibt keine Aussicht auf eine Wende zum Besseren mehr (z.B. 8,5-8.11-15). Der Herr ist es leid (7,13). Er gibt Jerusalem preis (Kap. 3).

Schon der engste Schülerkreis Jesajas kann sich mit diesem einseitigen Gottesbild nicht anfreunden (8,16-18). Allem Unheil zum Trotz, die Hoffnung auf den Herrn darf nicht sterben(8,17). Die Folgen der gottgewollten Verstockung Israels (6,9f → 8,11-15) werden eingeklammert durch Hoffnung auf „Immanuel“ (8,9-10.16-18). Hinzu kommen später Gegentexte gegen den unerbittlich zürnenden Gott, z.B. das Danklied der Erlösten (Kap. 12), so dass das ambigue Gottesbild mit einem Mehr an Gnade (vgl. Ex 34,6f) wiederhergestellt ist. Dass Jesaja (auth.) mit seiner Verabsolutierung des Deus absconditus so nicht stehenbleiben konnte, macht die Hinzufügung von Deutero- und Tritojesaja deutlich, wobei sich tritojesajanische Einflüsse des Deus exspectatus in den großen Weissagungen Protojesajasbemerkbar machen (Jes 4,2-6; 2,1-5; 9,1-6; 11,1-9).

Ich stütze mich auf die Kommentare zu Jesaja von W.A.M. Beuken und U. Berges (HThKAT), nehme aber auch den Einwand ernst, dass ein Prophet, der lediglich eine Verstockungstheologie ohne eine Funken Hoffnung kultiviert, nichts mehr zu sagen hat und sich erübrigt. Dann aber wird man mit Zuschreibungen von Heilsworten an Jesaja (auth.) sehr vorsichtig sein müssen. – Zum Ganzen vgl. auch G. Kittel, Der Name über alle Namen I, Göttingen 1989, S. 138-147 und G. Scholz, Von Gewalt zur Gewaltüberwindung in der Bibel, Göttingen 2021, S. 285-323.

Zum Predigttext: V. 10 ist m.E. „der Herr“ durch „Jesaja“ zu ersetzen (s. BH). V. 11: Die Bitte um ein Zeichen ist nicht illegitim, Gott auf die Probe stellen allerdings (Ex 17,1-7; Dtn 6,16). Da Jesaja von Ahab nichts Unrechtes verlangt, ist Ahas‘ Reaktion nicht als religiöse Scheu zu deuten, sondern als Heuchelei. V. 14: Hier übersetze ich „junge Frau“, im Zitat Mt 1,23 hingegen ist „Jungfrau“ gemeint.

Jes 7,14f könnte einmal eine isolierte Heilsweissagung gewesen sein (vgl. die positiven Konnotationen zu „Immanuel“ in 8,8.10). Jesaja hat sie in seine Theologie des Zu-Spät integriert. Dadurch verliert sie freilich die soteriologische Bedeutung, und „Immanuel“ wird zum Symbol des Gerichts (vgl. die Tendenz der Vv. 15-25).

Homiletische Bemerkungen

Eine Theologie bzw. Ideologie des Zu-Spät hilft niemandem. Darum wohl hat die Liturgische Konferenz der EKD die Perikope auf diese fünf Verse begrenzt. Mit V. 14 endet sie offen, intratextuell auf Jes 9,5f, innerbiblisch auf das Heil der Welt Mt 1,23 verweisend. Nur in diesem großen Bogen ist sie zu Weihnachten auch verkündbar. Dennoch muss das, was auf uns lastet, was verkehrt läuft, was unbedingt angegangen werden muss, nicht verschwiegen werden. Jesaja verschweigt es auch nicht. Leider ist Jesaja (auth.) dabei m.E. ohne Hoffnung. Gott sei Dank wurde er von seinen Schülern bald korrigiert.

Hier muss der Hoffnungsbegriff reflektiert werden. Er ist nicht einseitig psychologisch als Überlebensstrategie zu erklären, sondern er ist ein Sich-Festmachen im Unverfügbaren in der Gewissheit, dass der Unverfügbare über Mittel und Wege zur Rettung verfügt („Jahwe wird retten“).

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