Predigt

Gegen das Verzagen

Wie der Prophet Jeremia in seiner Resignation neu sehen lernt

PredigttextJeremia 20,7-11a (mit Einführung)
Kirche / Ort:St. Thomas / Lübeck
Datum:24.03.2019
Kirchenjahr:Okuli (3. Sonntag der Passionszeit)
Autor:Pastor Björn Schneidereit

Predigttext: Jeremia 20,7-11a (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

7 Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. 8 Denn sooft ich rede, muss ich schreien; »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. Denn des Herrn Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. 9 Da dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, verschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es zu ertragen, aber konnte es nicht. 10 Denn ich höre, wie viele heimlich reden: »Schrecken ist um und um!« »Verklagt ihn!« »Wir wollen ihn verklagen!« Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: »Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.« 11a Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held.

Einführung zum Predigttext

In der Meditation des Predigttextes werde ich an einen Kinofilm meiner Jugendzeit erinnert, der durch (für seine Zeit) neueste Filmtechniken bekannt wurde, dessen Handlung jedoch auch viele religiöse Motive aufnimmt – u.a. die Leidensnachfolge für die Wahrheit und der kritische Umgang damit.

Vers 9a „Da dachte ich: Ich will nicht mehr an Gott denken und nicht mehr in seinem Namen predigen“ lässt mich an die Filmfigur namens Cypher denken, die sich an einem Punkt der Handlung wünscht, die Wahrheit über die Welt vergessen zu können. Hier finde ich für den Sonntag Okuli das Proprium der Predigt. Worauf fixiere ich meinen Blick in der Nachfolge?

Wer für Wahrheit und Gerechtigkeit einsteht, stößt wie der Prophet und Cypher auch auf Ablehnung und Mühsal. An der Reaktion der beiden können wir für heute lernen. Aufgabe und Verrat oder den Blick nach oben richten (Okuli). Cypher steht für den Menschen, der alles hinschmeißt bzw. für Menschen, welche die Wahrheit über das Unheil in der Welt nicht sehen wollen, weil es zur Hilfe ruft, die aus der Komfortzone führt.

Auch der Prophet Jeremia ringt mit seiner Mission und wird ihrer überdrüssig, doch gibt er mit Gottes Hilfe nicht auf und bleibt das Sprachrohr der Wahrheit trotz heftigen Gegenwind. Ferner ist wichtig, für die Hörerinnen und Hörer Identifikation mit dem Thema zu ermöglichen, indem die Figur des Propheten nicht nur auf die ordinierten Wortverkündiger und -verkündigerinnen (Pastorenschaft) hin ausgelegt wird, sondern deutlich wird, dass im Sinne des Priestertums aller Getauften, jede und jeder in seinem Leben berufen ist, für das Reich Gottes auf Erden einzustehen, und somit in dieser Mission den Gegenwind erleiden kann, den der Predigttext anhand des Prophetenschicksals thematisiert.

Die Kraft weiter voranzugehen finden wir gemäß des Namens des Sonntags im Blick auf Gott, letztlich im (Stoß-)Gebet um seinen Beistand, womit die Predigt schließen soll.

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