Predigt

Gegenläufige Sinnhorizonte

Ostern - Gottes prompte Antwort darauf, wie der Tod uns bis in unsere Köpfe und Seelen hinein beherrschen kann

PredigttextLukas 24,36-45
Kirche / Ort:Dortmund
Datum:17.04.2017
Kirchenjahr:Ostermontag
Autor:Pfarrer Johannes Gerrit Funke

Predigttext: Lukas 24,36-45 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

36 Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. 38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? 39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. 40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße. 41 Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? 42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. 43 Und er nahm's und aß vor ihnen. 44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden.

Exegetisch-homiletische Skizze zur Predigt

Lukas beschreibt die Reaktion der Jünger auf die plötzliche Gegenwart des Auferstandenen mit mehreren Ausdrücken, die für ein panisches Entsetzen stehen. Dass die Jünger zuerst meinen, es mit einem gespenstischen Geistwesen zu tun zu haben, erinnert an die Geschichte Mt 14, 22ff; Mk 6, 45ff; Joh 6, 16ff. Vielleicht ist es kein Zufall, dass das Lukas-Evangelium diese Geschichte nicht bringt, aber stattdessen die Szene aus der Begegnung mit dem Auferstandenen ganz analog erzählt, auch mit dem folgenden Zuspruch „Ich bin es selbst“. Es geht dann weniger um Beweise für die Leibhaftigkeit seiner Auferstehung als um das, was man im Umgang mit Personen, die sich in einem inneren oder äußeren Überlebenskampf befinden, einen sicheren Ort nennt.

Erst nachdem sie aus ihrer Schockstarre befreit sind, haben die Jünger den Kopf so weit frei, dass der Auferstandene sie über die Bedeutung seines Sterbens am Kreuz regelrecht unterweisen kann. Auch hier geht es um mehr als um etwaige Schriftbeweise. Geht man den Spuren des kleinen griechischen Wörtchens „dei“ („es muss“ in V.44) im Lukasevangelium nach, findet man, dass es für grundlegende Konflikte steht, die um Jesu Verkündigung und Verhalten herum entstehen (vgl. z.B. Lk 13, 14+16).

In Lk 24 steht es dementsprechend für den Konflikt, den Gott in dem Messias Jesus mit dem Tod ausficht. Jesu Auferweckung am dritten Tag ist Gottes prompte Antwort darauf, wie der Tod uns bis in unsere Köpfe und Seelen hinein beherrschen kann. Alle Geschichten, an deren Ende für die Einen ganze Welten zusammengebrochen sind, während Andere einfach in ihren Tagesordnungen fortfahren können als wäre nichts passiert, entstehen aus einer Wurzel heraus, an der dies so ist. Im gewaltsamen Tod Jesu und seiner Auferweckung von den Toten prallen zwei gegenläufige Machtbestrebungen und – man verzeihe mir den Ausdruck – zwei völlig gegenläufige intentionale Sinnhorizonte frontal aufeinander.

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