Predigt

"Geh!"

Die Geschichte Abrahams – Evangelium für Grauhaarige und die Rentenabklärung

Predigttext1. Mose / Genesis 12,1-4 (mit exegetisch und homiletischen Hinweisen)
Kirche / Ort:Aachen
Datum:01.07.2018
Kirchenjahr:5. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrer Manfred Wussow

Predigttext: 1. Mose / Genesis 12,1-4 (Übersetzung nach Martin Luther)

Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.

Exegetisch-homiletische Vorüberlegungen

Gen. 12 markiert einen Neuansatz, nachdem die sog. Urgeschichte (1-11) ausklingt: Gott schreibt mit Abra(ha)m neue Geschichte, obwohl vom Lebensalter her ein alter Mann zum Hauptdarsteller avanciert. Betont wird aus dieser Konstellation eine heilsgeschichtliche Figuration. Eine jugendliche Geschichte setzt ein, sichtbar gesegnet und groß angelegt. Als Vätergeschichten (die Mütter sollten gleichwohl nicht fehlen) gehen größere Kränze von Erzählungen in die Genesis ein. Insofern haben es auch die wenigen Verse unseres Predigttextes in sich. Kinder lieben Abra(ha)m besonders. Dass dann doch wohl überwiegend Senioren die Predigt hören werden, ist dabei ein bemerkenswertes, wenn auch nicht immer reflektiertes Hoffnungszeichen. Alt wird jung, reif neugierig, grau lebendig. Modell Auferstehung! Gen. 12,1-4 ist das Evangelium für Grauhaarige.

Bezogen auf die Lesungen des 5. Sonntag nach Trinitatis thematisiert auch Gen. 12,1-4 das Risiko dieses Aufbruchs, zugleich aber das große Vertrauen, nur so Neuland erobern zu können. Wer das Bewährte bewahren will, verliert seine Zukunft. Aufbruch ist angesagt, ermöglicht und gesegnet. In diesem Dreiklang agiert unbeabsichtigt und unbeaufsichtigt Abra(ha)m. Er verweist nicht auf Erfahrungen, er macht sich auf.

Der Schlüssel liegt nicht in einer Vernunftabwägung, die durchaus zur Seniorität gehört, sondern in dem Wort Jhwhs: Geh! Doch weiß der Herr (V.1), zu wem er spricht? Was liegt ihm daran, diesen Menschen anzusprechen? Und mit ihm diese Sippschaft? Der Text legt auch nicht (!) nahe, dass Abra(ha)m weiß, wer ihn auf die geheimnisvolle und befremdliche Reise schickt, wer ihm die Heimat auswechselt. Warum überhaupt ein Ortswechsel? Ohne Rückfahrticket? Die Entscheidung ist endgültig und ohne Rechtsmittel. Aus den vielen Fragen, die sich einstellen, präparieren sich keine Antworten heraus. Gen. 12,1-4 zeichnet sich durch eine so große Offenheit aus, dass das unbekannte Neuland mehr ist als die Landschaft, die gefunden werden wird. Es ist eine Nomaden-Geschichte in mehrfacher Hinsicht und Prägung. Zelte dominieren. Jedenfalls beginnt hier die Geschichte, die mit dem Wort „Glauben" die Weltgeschichte verändern wird.

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