Predigt

„Geheimnis des Glaubens“

Gott wird Mensch – alles gerät in Bewegung

Predigttext1.Timotheus 3,16
Kirche / Ort: 75179 Pforzheim / Ev. Landeskirche in Baden
Datum:24.12.2013
Kirchenjahr:Christvesper
Autor:Pfarrer Hartmut Friedrich

Predigttext: 1. Timotheus 3,16 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

Und groß ist, wie jedermann bekennen muß, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.

(Eigene Übersetzung Hartmut Friedrich)

Und anerkanntermaßen groß ist das Geheimnis des Glaubens: der offenbart worden ist im Fleisch, gerecht gemacht im Geist, gesehen von Engeln, verkündigt den Völkern, geglaubt in der Welt, emporgehoben in Herrlichkeit.

Einführung in den Predigttext

„Geheimnis des Glaubens“ ist gleichsam die Überschrift dieses Textes, der eine Art Christus-Hymnus ist. Wörtlich korrekter wäre „Geheimnis der Frömmigkeit“. Der dann folgende Satz ist eigentlich nur ein Nebensatz, ein Relativsatz ohne Hauptsatz. Viele Textzeugen haben statt „der offenbart worden ist im Fleisch“: „das offenbart worden ist im Fleisch“. Die meisten Ausleger halten es aber mit der schwierigen Lesart. Dem schließe ich mich an. Es ist allzu deutlich, dass es im Folgenden um Christus geht, nicht um das Geheimnis.

Der Hymnus hat eine 3-fache chiastische Struktur und changiert zwischen Erde und Himmel: Fleisch – Geist; Engel – Völker; Welt – Herrlichkeit. So wird kunstvoll Christus besungen, der zwischen Himmel und Erde verbindet, vermittelt. Alle Verbformen im Hymnus stehen im Griechischen im Passiv und haben die gleiche Endung, bilden also einen Reim. Im Deutschen lässt sich das leider gar nicht deutlich machen. Inhaltlich stellt das heraus: Gott ist hier der Handelnde.

Formal wird das Ganze durch seine grammatikalische (unvollständiger Satz) und chiastische Struktur sowie durch den Reim bei den Verbformen zu einem Gedicht, das fast modern anmutet. Der Hymnus erzählt in verdichteter Form den Lebensweg Jesu nach, von der Geburt bis zur Himmelfahrt. Zu jeder Aussage ließen sich Bibelstellen zur Entfaltung anführen. Die Tatsache, dass alle Verben passiv gehalten sind, könnte man sogar als Hinweis auf die Passion Jesu sehen. (Passiv – Passion)

In der Predigt gehe ich von der Überschrift „Geheimnis“ aus. Warum hören wir an Weihnachten immer die gleiche Geschichte, singen die gleichen Lieder? Unterstellt, dass das zwar auch Gewohnheit ist, aber eben nicht nur Gewohnheit, gehe ich davon aus, dass es das Geheimnis dieser Nacht ist, das immer wieder anzieht. In den altbekannten Wörtern und Lieder steckt immer noch Unergründetes, Unergründbares. So hoffe ich, die Menschen auf ihre hinter der Oberfläche verborgenen Beweggründe, an Weihnachten den Gottesdienst zu besuchen, hin anzusprechen und zum Nachdenken anzuregen. Sodann konzentriere ich mich zum einen auf die irdisch-himmlische Struktur des Hymnus. Sie macht den Hymnus zu einem weihnachtlichen, auch wenn das erst mit dem zweiten Blick zu erkennen ist. Zum anderen konzentriere ich mich auf die Verben, die allesamt im Passiv stehen. Hier wird an Christus etwas getan, ihm widerfährt etwas. Und für uns gilt das erst recht! An Weihnachten widerfährt uns etwas, ohne dass wir dazu etwas bewerkstelligen könnten. Und damit sind wir auch von dem Druck befreit, etwas bewerkstelligen zu müssen.

Wie die Tür zum Weihnachtszimmer den Ausblick auf die Geschenke hin öffnet, so öffnet der Predigttext die Tür zum Geheimnis des Glaubens, hier: zum Geheimnis des Weihnachtswunders. Die Übersetzung orientiert sich an der Martin Luthers, geht aber an einigen Stellen eigene Wege. Ich bleibe bei: „Geheimnis des Glaubens“, weil „Geheimnis der Frömmigkeit“ doch sehr nach Insider-Sprache klingt.

Lieder

„Nun singet und seid froh“ (EG 35) „Ich steh an deiner Krippen hier“ (EG 37) „Komm und lasst uns Christus ehren“ (EG 39) „Jauchzet ihr Himmel“ (EG 41) „Herbei, o ihr Gläub´gen“ (EG 45)

Literatur

Joachim Jeremias, Die Briefe an Timotheus und Titus (zusammen mit August Strobel), NTD 9, Göttingen 1981. - Petra Bahr, Hymnischer Glanz in Heiliger Nacht, in: GPM 2013/11, S. 36ff. - Klaus Müller, Vom „offenen“ Geheimnis reden, in: Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Dialog, Weihenzell 2013, S. 25ff.

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Heinz Janssen
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