Predigt

Hoffnung – Lob – Versöhnung

Hoffen, um nicht verrückt zu werden

PredigttextRömer 15,4-13 - mit exegetischen und homiletischen Hinweisen
Kirche / Ort:27793 Wildeshausen
Datum:17.12.2017
Kirchenjahr:3. Sonntag im Advent
Autor:Pfarrer Lars Löwensen

Predigttext: Römer 15,4-13 Übersetzung nach (Martin Luther, Revision 2017)

4 Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. 5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, 6 damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. 7 Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre. 8 Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Beschneidung geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind; 9 die Heiden aber sollen Gott die Ehre geben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): »Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.« 10 Und wiederum heißt es (5. Mose 32,43): »Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!« 11 Und wiederum (Psalm 117,1): »Lobet den Herrn, alle Heiden, und preisen sollen ihn alle Völker!« 12 Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): »Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker; auf den werden die Völker hoffen.« 13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Exegetische und homiletische Hinweise zum Predigttext

Der 3. Advent steht in der Spannung zwischen Niedergeschlagenheit und Trost, zwischen Verheißung und Erfüllung. Mit Jesaja 40 werden Trost und Verheißung in den Blick gerückt. Das zerschlagene Jerusalem soll getröstet werden und wird zur Freudenbotin Gottes. Es ist der Text, auf den sich das Evangelium bei Matthäus bezieht (nach dem ausdrücklichen Zitat in Matthäus 3,3).

Im Evangelium erleben wir einen geschlagenen Johannes den Täufer. Den Propheten und Freund klarer Worte plagen Zweifel. Er ist verhaftet worden, und im Gefängnis fragt er sich: War das richtig. Ist Jesus der, auf den alle gewartet haben oder kommt noch jemand anderes? Doch Jesus bleibt ihm eine klare Antwort schuldig. Johannes bekommt kein einfaches: „Ja klar, ich bin`s“. Das bliebe eine reine Behauptung von Seiten Jesu. Mit seiner Antwort lädt Jesus Johannes vielmehr dazu ein, das zu sehen, was geschieht. Dieses Geschehen soll Johannes selbst mit den Augen des Glaubens deuten. Das Himmelreich ist mit Jesus schon nahe herbei gekommen. Anschließend legt er Zeugnis ab für Johannes. Dieses gipfelt in dem Satz: „Er ist mehr als ein Prophet.“

Die Epistel ruft nun die Gemeinde selbst in die Rolle der treuen Haushalter über die Geheimnisse Gottes. Ob wir dieser Aufgabe gerecht werden, darüber urteilen aber nicht wir Menschen, sondern der Herr allein, wenn er kommt. Unsere Aufgabe ist es nur, treu zu bleiben und Gottes Wort zu halten.

Der Predigttext aus der vierten Perikopenreihe steht im 15. Kapitel des Römerbriefes und ergänzt die drei Lesungstexte des 3. Advents um einen weiteren Aspekt. Mit Kapitel 12 beginnt der zweite Hauptteil des Briefes. Während in den Kapiteln 12 und 13 allgemeine Mahnungen zu finden sind, folgen in den Kapiteln 14 und 15 spezielle Mahnungen (gerne auch als „Starke“ und „Schwache“ in Rom bezeichnet), die im Predigttext zum Abschluss kommen. Die Argumentation des Paulus ist klar und nachvollziehbar: Jesus Christus hat die Starken und die Schwachen gleichermaßen angenommen. Das ermöglicht uns die gegenseitige Annahme. Sie realisiert sich immer neu im Lob Gottes.

Paulus stellt seine Argumentation sogar in eine heilsgeschichtliche Begründung, die er mit Bibelzitaten belegt (V8-12). Gott hat die alttestamentlichen Verheißungen mit der Sendung Jesu zu seinem Volk erfüllt. Damit hat er die Erwählung Israels ist bestätigt, auch wenn die heilsgeschichtliche Erfüllung noch wartet (Röm 9-11). Gott ist gegenüber seinem Volk verlässlich und gegenüber den Heiden barmherzig. Tod und Auferstehung Jesu gelten auch allen Nichtjuden. Der Lobpreis der Heiden selbst ist ja schon in der Schrift angekündigt und führt ins gemeinsame Loben von Juden und Heiden.

Als christlicher Gemeinde ist uns die Frage der Versöhnung von Juden und Heidenchristen heute erst einmal fremd. Nichtsdestotrotz ist die Unterschiedlichkeit in verschiedenen Gemeinden - zwischen Menschen und zwischen den Konfessionen - stets ein Thema, auch und gerade im zu Ende gehenden Reformationsjahr 2017. Wie ist Versöhnung über die Unterschiede hinweg möglich? Wie ist aber auch Versöhnung in einer Welt möglich, die einerseits immer stärker zusammenwächst und sich andererseits wieder zunehmend feindlicher gegenübersteht? Wie ist Versöhnung in der Familie möglich, um in angemessener Weise das Weihnachtsfest zu feiern und sich auf das Kommen Jesu vorzubereiten? Das können Fragen sein, die in der Gemeinde da sind oder auf die Gemeinde ansprechbar ist.

Lieder:

„Mit Ernst o Menschenkinder“ (EG 10 – Wochenlied) „Wie soll ich dich empfangen“ (EG 11)

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Heinz Janssen
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