Predigt

"In jedem ruht ein Bild …"

Menschliche Einbildung und Gottes Ein-bildung

PredigttextLukas 18,9-14
Kirche / Ort:Marienkapelle / Minden-Hahlen
Datum:16.08.2015
Kirchenjahr:11. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrer i.R. Hartmut Frische

Predigttext: Lukas 18,9-14 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

9 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal die Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand von ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Exegese

Leo Baeck: „Die Sätze der Evangelien, die von den Pharisäern reden, sind nicht historisch zu bewerten.“ Die Pharisäer, in: L.B., Paulus, die Pharisäer und das Neue Testament, Frankfurt/a.M.1961, S.52; ebendort, S.54: „Josephus … sagt von ihnen, dass ‚sie eine hohe Ansicht von der genauen Erforschung des von den Vätern ererbten Gesetzes hatten".

Julius Schniewind: „Was fehlt den Pharisäern? … So ist es auch nicht ironisch gemeint, wenn Jesus von den Pharisäern widerholt als von den ‚Gerechten‘ redet (Mk 2,17; Lk 15,7; vgl.31f). Der ältere Sohn ist wirklich beim Vater geblieben (Lk 15,25ff), die Arbeiter im Weinberg haben des Tages Last und Hitze getragen (Mt 20,9ff), Simon der Pharisäer hat wirklich geringere Schuld als die große Sünderin (Lk 7,41ff), der Pharisäer im Gleichnis hat wirklich Opfer gebracht, Gott zu dienen (Lk 18,9ff). Aber aus dem allen machen sie einen Ruhm des Menschen, den eigenen Ruhm vor Menschen und Gott (Luk 16,15; 18,9ff; Mt 6,1ff); als wäre es nicht Gottes Erbarmen, das den Sohn an allem Gut des Vaters teilhaben ließ (Luk 15,31)“, in: J.Sch., Die Freude der Buße. Zur Grundfrage der Bibel, Göttingen, 1960, 2.Aufl., S.31.

Joachim Jeremias schreibt über den Pharisäer in Lk 18,9ff: „Weil er sich des positiven Urteils Gottes über sein Leben sicher ist, fragt er nur noch danach, wie die Menschen über ihn denken. Seine ganze Frömmigkeit ist einzig und allein darauf abgestellt, dass die Menschen ihn für fromm halten. So wird es zur Heuchelei (Mt 6,1-3). Und ebenso nimmt der Mensch, der zu gut von sich denkt, den Bruder nicht mehr ernst. Er hält sich für besser und verachtet ihn (Lk 15,25-32; 7,39)", in: Neutestamentliche Theologie. Erster Teil, die Verkündigung Jesu, Gütersloh 1973, 2.Aufl., S.147f.

Gerhard Lohfink: „Jesus hat die Feindesliebe … nicht nur gelehrt. Er hat sie gelebt. Er hat sie gelebt in seinem Verhalten zu den damals Ausgegrenzten und gesellschaftlich Stigmatisierten – in seinem Verhältnis zu den ‚Zöllnern und Sündern‘ (Lk 7,34), den ‚Zöllnern und Prostituierten‘ (Mt 21.31), den ‚Räubern, Betrügern und Ehebrechern‘ (Lk 18,11). All diesen Gruppen fühlte man sich damals in Israel moralisch überlegen. Man verachtete sie im Namen Gottes, man ging ihnen aus dem Weg und mied, soweit das möglich war, den sozialen Kontakt mit ihnen. Jesus tut das Gegenteil und macht sie so zu seinen ‚Nächsten‘", in: G.L., Jesus von Nazaret. Was er wollte. Wer er war, Freiburg-Basel-Wien 2011, S.285f.

Paul Deitenbeck: „Unvergesslich bleibt mir, wie Professor Julius Schniewind, einer der prägenden Lehrer im Kirchenkampf des sog. Dritten Reiches, zu mir als jungem Vikar sagte: ‚Wissen Sie, was das Größte ist: Vergebung der Sünden!‘", in: P.D., „Ich lasse mich überraschen…, Ein Gang durch das Jahr, Neukirchen-Vluyn 1990, 5.Aufl. S. 55.

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