Predigt

Just in time

Nicht nur Bescheid wissen, sondern auch Tun

PredigttextLukas 10,25-37 (mit exegetischen Vorüberlegungen und Ideen zur Gestaltung)
Kirche / Ort:Schriesheim b. Heidelberg
Datum:11.09.2022
Kirchenjahr:13. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrerin Suse Best

Predigttext: Lukas 10.25-37 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt**, und deinen Nächsten wie dich selbst«** (5.Mose 6,5; 3.Mose 19,18). 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. 29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. 31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? 37 E r sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Exegetische Vorüberlegungen

„Der barmherzige Samariter “ - eine überaus bekannte Geschichte. Geht da gleich der Rolladen runter? - Es schließt sich die Geschichte von Maria und Martha an. Was gilt nun auf dem Weg zum Ewigen Leben? Labora oder ora? Die Beispielgeschichte ist flankiert von theologischen Diskussionen eines Gelehrten mit einem Meister nach dem Duktus: „Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“ Jesus antwortet mit einer Rückfrage (Lk.10,26). Der Schriftgelehrte gibt die einzig richtige Antwort, er weiß Bescheid. Es ist also bereits alles gesagt, man muss es nur zur Kenntnis nehmen und befolgen!

Zentral beim Gleichnis ist das Handeln des Samariters, das „es jammerte ihn“ (splangchnizomai) im Sinne von `Mitleid haben, im Innersten berührt sein, es dreht sich einem der Magen um beim bloßen Sehen´ (vgl. Theolog. Begriffslexikon zum NT, 3. Aufl. 1972, 52ff.). Dieses Verb wird nur von Jesus und in den Evangelien gebraucht und von Personen, die Jesu Haltung verkörpern wie der Vater in Lk.15, 20 und vom Samariter (Lk.10, 33). Damit legt sich die Deutung nah, Jesus sei der Samariter. So auch Martin Luther in seiner Predigt zu Lk.10: „Aber letztlich findet sich der Samariter, unser lieber Herr Christus … . Der nimmt sich unseres Jammers an, wäscht und verbindet uns unsere Wunden mit Wein, und gießt daß selige Öl seiner Gnade hinein, … und führt uns also in die rechte Herberge… .“ Zugriff über file:///C:/Users/Suse%20Best/Download/_german_MartinLuther_Lukas_10_23_37.html

Am Ende der Perikope wird deutlich: Es geht nicht um das Objekt, es geht vielmehr um das Subjekt. Die Frage ist nicht: „Wer braucht meine Hilfe?“, sondern: „Wem muss ich helfen?“ Kurz zusammengefasst: Wissen allein ist nicht per se alles! Es geht um das Wissen des rechten Tuns als Folge der Erfahrung von herzlichem Erbarmen Jesu Christi an mir – ausgeraubt, überfallen, am Boden, liegen gelassen, übersehen, wie auch immer! Die Umsetzung des Wissens ins Tun darf und muss dann folgen!

Ideen zur Gestaltung:

  • Idee zur Illustration der Bildebene bei der Textverlesung: Nick Butterworth & Mick Inkpen, Von Schafen, Perlen und Häusern
  • Mögliche Formulierungen fürs Fürbittgebet:

Gott, zu dir kommen wir, wohl wissend, dass Räuber heutzutage viele Gesichter haben:

  • Die, die uns den Schlaf rauben: Sorgen und Ängste
  • Die, die uns die Lebensperspektive rauben: Krankheit und Krieg
  • Die, die uns die Zukunft rauben: Machtgier, Misswirtschaft, Korruption

Wir bitten dich: wehre den Wegelagerern dieser Welt und um uns herum und schenke uns

  • Augen, die die Not der Welt sehen
  • Ohren, die das Schreien hören
  • Hände, die zupacken können …
  • Beim Bekenntnis und Gotteslob soll es nicht bleiben, deshalb: Schlusslied mit: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten“

Predigtanfang ist inspiriert durch Pfr. Wussow, 2003 Heidelberger Predigtforum zu Lk.10, 25-37.

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Heinz Janssen
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