Predigt

Lebensklugheit

Ehrlicher und barmherziger Blick auf unser Leben

PredigttextJeremia 9,22-23 (mit exegetischen und homiletischen Gedanken)
Kirche / Ort:66989 Nünschweiler
Datum:13.02.2022
Kirchenjahr:Septuagesimae (70 Tage vor Ostern)
Autor:Pfrn. Anke Andrea Rheinheimer, Prot. Pfarramt Nünschweiler

Predigttext: Jeremia 9,22-23 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

Das falsche und das rechte Rühmen

22 So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. 23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

Exegetische und homiletische Anmerkungen

Kirchenjahreszeitlich bewegen wir uns am Sonntag Septuagesimae in der festlosen Vorpassionszeit mit der liturgischen Hoffnungsfarbe „grün“, der Farbe des Wachsens und Reifens. Herz und Ohr werden aufgeweckt von Jochen Kleppers melodischen Morgenlied, einem der beiden Wochenlieder: „Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen; führt mir den Tag empor.“ (EG 452,1) Alsdann kann mit dem eingängigen, kurzen prophetischen Predigttext aus dem Jeremia-Buch in diesem Gottesdienst wahre Lebens- und Gotteserkenntnis in uns wachsen. Selbsterkenntnis und Selbstkorrektur können ins uns reifen, wenn wir uns die Lebensklugheit zu Herzen nehmen, von der wir in den prophetischen Worten „vom rechten und vom falschen Rühmen“ im Jeremia-Buch hören.

Ohne einer biographischen Erklärung der biblischen Prophetie das Wort zu reden, so wird hinter den selbstbescheidenden Worten des Jeremia doch etwas transparent von der prophetischen Existenz und dem Selbstverständnis dieses Propheten, einer sehr komplexen biblischen Gestalt und Persönlichkeit. Alle Erzählungen über seine rätselhaften symbolischen Zeichenhandlungen, seine Konfessionen, seine Leidensgeschichte, aber auch seine Orakel und Unheilsverheißungen entwerfen das Szenario einer prophetischen Existenz, das einen verfolgten, in aller Demut leidenden Menschen zeigt.

Um der Gerechtigkeit Gottes willen hat Jeremia mutig und tapfer Konflikte und Auseinandersetzungen mit den Mächtigen seiner Zeit nicht gescheut: nicht mit den Königen Israels und Judas in der Zeit vor der Deportation Jerusalems; nicht mit den ihnen hörigen Hofbeamten und auch nicht mit den willfährigen Hofpropheten, die ihr Fähnchen allzeit in den royalen Wind der herrschenden Oberschicht hingen.Kurzum: nicht mit all den fehlgeleiteten Hirten und falschen Propheten an der Spitze von Staat und Volk.

Der heilende Gott bleibt dabei für Jeremia der Hüter der Menschlichkeit, der das Humanum des Menschen bewahrt. Anrührend lesen wir davon in den tröstenden Passagen des Jeremia-Buches. Weder in seiner Unheils- noch in seiner Heilsverkündigung lassen sich im Jeremia-Buch ethisches und theologisches Urteil voneinander trennen. So auch im Predigttext, der sozialkritische Anteile hat, die aber explizit theologisch rückgebunden werden.

Seine öffentlich-politische und seine religiös-kultische Kritik wurzeln bei Jeremia eindrücklich in seiner unmittelbaren Gotteserfahrung. Auch in Jeremia 9 gehen wahre Lebensklugheit und wahre Gotteserkenntnis Hand in Hand, wenn es am Ende heißt: „Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sein und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden.“ Klug lebt und handelt also, wer Gott kennt und sich in seinem Leben an ihm, seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit orientiert.

Literatur

Ebach, Jürgen, Septuagesimae: Jer 9,22-23 „Gerühmt muss werden, in: Studium in Israel e.V. (Hg.): Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext. Zur Perikopenreihe IV, Berlin 2017, S.99-104. - Zenger, Erich, u.a., Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart, 2. Auflage 1996.

Lieder

„Er weckt mich alle Morgen“ (EG 452, Wochenlied) „Ein reines Herz, Herr, schaff‘ in mir“ (389) „Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist“ (277) „Erneure mich, o ewigs Licht“ (390)

Wochenspruch

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9,18)

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Heinz Janssen
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