Predigt

"Nun danket alle Gott …"

Erntedank - Zeichen der Solidarität mit den Armen

Predigttext2. Korinther 9,6-15 (mit exegetischen und homiletischen Hinweisen)
Kirche / Ort:Magdeburg
Datum:03.10.2021
Kirchenjahr:Erntedankfest
Autor:Pastor Dr. habil. theol. Günter Scholz

Predigttext: 2. Korinther 9,6-15 (Übnach Martin Luther, Revision 2017)

6 Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. 7 Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 8 Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; 9 wie geschrieben steht (Psalm 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.« 10 Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. 11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. 12 Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13 Denn um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für euren Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und für die Lauterkeit eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. 14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. 15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

Exegetische Bemerkungen

Exegetisch gesehen ist der Text relativ unproblematisch. Der 2.Kor als Briefsammlung ist bekannt, worin Kap. 9 ein Kollektenbrief von Zweien (Kap. 8) ist. Zwei Wendungen sind erklärungsbedürftig:

10: „Früchte eurer Gerechtigkeit“: Paulus selbst bezieht sich auf Psalm 112,9. Dann sind die „Früchte eurer Gerechtigkeit“ der Wille und die Kraft, den in Not Geratenen aufzuhelfen. Nach Jes 32,17 sind Friede sowie Ruhe und Sicherheit Ertrag der Gerechtigkeit. Paulus selbst gebraucht den Begriff dann noch einmal später im Philipperbrief 1,11, allerdings auch sehr unbestimmt. In Röm 12,13 bittet er, sich der Nöte der Heiligen anzunehmen. Röm 12,9-21 ist eine Sammlung von Früchten der Gerechtigkeit. Bei Jak 3,18 ist die Frucht der Gerechtigkeit Friede

(Zu Gerechtigkeit bei Paulus im ethischen Sinn vgl. auch U. Schnelle, Wandlungen im paulinischen Denken (SBS 137), Stuttgart 1989, S. 52f).

13: „euer Bekenntnis zum Evangelium Christi“: Gemeint ist in erster Linie Bekenntnis zur Selbsthingabe Christi als Grund des Trostes in aller Not und Bedrängnis (vgl. 2.Kor 1,3-5; Gal 1,1-5.6-9). Paulus denkt wohl nicht an Mk 8,1-9 (Evangelium des Sonntags), wiewohl auch das aus homiletischen Gründen zum Verständnis mit einbezogen werden kann.

Homiletische Bemerkungen

Die Predigt für Erntedankfest 2021 steht vor drei Herausforderungen: dem Kasus Erntedankfest, der Verbindung von Erntedankfest und Tag der Einheit und schließlich dem Predigttext. Der Kasus Erntedankfest erhält in diesem Jahr seine besondere Brisanz durch die Vernichtung von Existenzen durch Hochwasser und Feuer. Diese verstörenden Ereignisse können nicht übergangen werden. Den Tag der deutschen Einheit zu übergehen, zumal er auf einen Sonntag fällt, stieße weitgehend auf Unverständnis. Der Predigttext wirkt gegenüber diesen Fragwürdigkeiten des Zeitlaufs geradezu banal: Aufruf zu einer Spendensammlung. Eine direkte Anwendung des Predigttextes auf die Flut- und Brandopfer droht die Situation der Betroffenen zu banalisieren.

Der Ausweg einer Themenpredigt unter Ausschluss des Predigttextes steht im Raum. Ich habe mich (nach brüderlicher Beratung mit der Redaktion) für eine Verbindung mit dem Predigttext entschlossen. Er eröffnet im Blick auf den besonderen Kasus folgende Chancen:

  • „Werke der Gerechtigkeit“ in ihrem Verweischarakter auf Gott darzustellen,
  • Das „Bekenntnis zum Evangelium Christi“ auszuführen als Bekenntnis zu dem in der Not den Menschen sich zuwendenden, mit-leidenden Gott

(Das Bild von Kokoschka z.B. im DPfBl 121/2021, S. 408 (Ausg. 7/2021)

Ich gehe nicht in Form einer Homilie vor, bleibe aber immer in der Nähe des Textes. Daher meine Stellenangaben in der Predigt.

Neuigkeiten

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