Predigt

Offener Blick

Dem Menschen seinen Wert und seine Ehre (zurück)geben

PredigttextMarkus 8,22-26
Kirche / Ort:Johanneskirche / Heidelberg
Datum:18.08.2013
Kirchenjahr:12. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrer Dr. Klaus Müller

Predigttext: Markus 8,22-26 (Uebersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

Und sie kamen nach Bethsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, dass er ihn anrühre. Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, tat Speichel auf seine Augen, legte seine Hände auf ihn und fragte ihn: Siehst du etwas? Und er sah auf und sprach: Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen. Danach legte er abermals die Hände auf seine Augen. Da sah er deutlich und wurde wieder zurechtgebracht, sodass er alles scharf sehen konnte. Und er schickte ihn heim und sprach: Geh nicht hinein in das Dorf!

Vorbemerungen zum Predigttext

Bethsaida, zu deutsch „Haus der Jagd“, gemeint wohl „Haus des Fischfangs“, denn Betsaida liegt an der Mündung des Jordan in den See Genezaret. Eine profilierte Örtlichkeit also, die nach Ausweis des Johannesevangeliums Herkunftsort der Jünger Andreas, Simon Petrus und Philippus ist – und dies ausdrücklich mit Nennung des Ortes. Ja, Betsaida ist Ort von Wundern: Jesu Gang über das Wasser (Mk 6,45ff), die Speisung der Fünftausend (Lk 9,10ff) und eben die Heilung des Blinden. Nur: Was macht Betsaida zum Gegenstand von Fluch und härtester Gerichtsandrohung im Munde Jesu (Lk 10,13-15 und noch schärfer in Mt 11,21-24)? Worin mag die „Blindheit“ dieses illustren Dorfes am Rand des Kinneret bestehen, dass es so sehr in die Kritik gerät? Auch der blinde Mensch im Predigttext kann gesunden und gesund bleiben offensichtlich nur extra muros Bethsaidae.

Das Markusevangelium rückt neben die Geschichte in und um Betsaida alsbald die Szenerie um Caesarea Philippi – beides Orte, die in engem Zusammenhang mit dem Herodessohn Philippus stehen. Flavius Josephus nennt Bethsaida alias Iulias zehnmal als bevorzugten Ort des Tetrarchen Herodes Philippus, der eigentlich in Caesarea Philippi (Panaeas / Banias) am Fuße des Hermon residierte. Er habe, so die Chronisten, Bethsaida um das Jahr 30 n. Chr. von einer komē zur polis erhoben und ist letztlich dort sogar begraben. Zugespitzt gesagt: Caesarea Philippi und Bethsaida – Entscheidungsorte: am einen Ort entscheidet sich die Bekenntnisfrage („Du bist der Christus.“), am anderen die Frage nach dem angemessenen Handeln („sie brachten … er nahm … er führte … legte die Hände auf … schickte ihn …“). Beides, Bekennen und Handeln, im geografisch-ideellen Kontrast zum römischen Herrscherideal. Beides gut markinisch-jesuanisch nicht ohne Geheimnis auszusagen, nur in der Entzogenheit zu haben. Jedenfalls sehen die natürlichen Augen nicht von sich aus schon die ganze Wahrheit – sie müssen geöffnet werden. „Siehst du etwas?“

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Heinz Janssen
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