Predigt

"Rogate"

Im Gebet orientieren wir uns himmelwärts und sind gleichzeitig geerdet

PredigttextJohannes 16,23b-33
Kirche / Ort:66989 Nünschweiler / Pfalz
Datum:10.05.2015
Kirchenjahr:Rogate (5. Sonntag nach Ostern)
Autor:Pfarrerin Anke A. Rheinheimer

Predigttext: Johannes 16,23b-33 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

23b Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben. 24 Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. 25 Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. 26 An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; 27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. 29 Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und nicht mehr in Bildern. 30 Nun wissen wir, dass du alle Dinge weißt und bedarfst dessen nicht, dass dich jemand fragt. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist. 31 Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubt ihr? 32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon gekommen, dass ihr zerstreut werdet, ein jeder in das Seine, und mich allein lasst. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. 33 Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Exegetische und homiletische Anmerkungen

Im Predigttext aus den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium begegnet uns Jesus als einfühlsamer Seelsorger. Darum bietet sich gerade am Sonntag Rogate, dem Sonntag der in besonderer Weise dem Beten und Bitten gewidmet ist, eine seelsorgliche Predigt an, die sich auf die Zusagen Jesu in seinen Abschiedsworten an seine Jünger fokussiert: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben". Und „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden". Welch tröstliche und stärkende Kraft das freie, offene und ehrliche Gebet hat, wird entfaltet im Vergleich zur Qualität unserer Alltagsgespräche, in denen Menschen oft ihre tatsächliche Befindlichkeit kaschieren oder verbergen.

Wahrer Seelentrost, innerer Friede und Freude erwachsen aus dem Vertrauen in die verwandelnde Kraft des Gebets, das Menschen gerade in den schweren Situationen des Lebens Halt gibt. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen und Forschungen zur Resilienz belegen den nachweisbaren Effekt einer vertrauensvollen Gebetspraxis, von der wir auch in der Geschichte des Christentums vielfältig Zeugnis haben, so beim Kirchenvater Augustinus, der in seinen „Confessiones“ in Form einer narrativen Selbstmitteilung, im Gespräch seiner Seele mit Gott, bekennt: „… und ruhelos ist unser Herz, bis es seine Ruhe hat in dir.“ (conf. I 1,1).

Die Predigt konzentriert sich im Sinne von Ernst Langes Verständnis der Predigt als Rede mit dem Hörer über sein Leben im Licht der christlichen Verheißung auf diesen parakletischen homiletischen Aspekt, wogegen die klassischen Fragen der johanneischen Christologie, die im Predigttext anklingen (Präexistenz – Menschwerdung – Kreuz und Auferstehung; s. V. 28) hier nicht thematisiert werden. Gleichzeitig entgeht sie der Gefahr des Subjektivismus durch die konsequente Bindung an das johanneische Christuszeugnis.

Literatur

Augustinus, Bekenntnisse. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Lateinischen von Joseph Bernhart. Mit einem Vorwort von Ernst Ludwig Grasmück, Frankfurt, 1987. - Schnelle, Udo, Einleitung in das Neue Testament, Göttingen 1994.- Schulz, Siegfried, Das Evangelium nach Johannes, NTD 4, Berlin 1975.

Lesung

2. Mose 32,7-14 „Moses Fürbitte“

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Heinz Janssen
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