Predigt

Sabbat und Menschenwürde

Feiertag - Gottes kostbares Geschenk

PredigttextMarkus 2,23-28
Kirche / Ort:31785 Hameln
Datum:13.10.2013
Kirchenjahr:20. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pastor i.R. Herbert Dieckmann

Predigttext: Markus 2,23-28 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Übersetzung aus Basisbibel, Das NT und die Psalmen, 2012:

23) An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Unterwegs rissen seine Jünger Ähren von den Halmen. 24) Da sagten die Pharisäer zu ihm: "Sieh nur, was sie tun. Das ist am Sabbat verboten." 25) Er antwortete ihnen: "Habt ihr denn nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Männer in Not waren und Hunger hatten? 26) Der Oberste Priester war damals Abjatar. David ging in das Haus Gottes und aß von den Broten auf dem Altar. Dabei durften eigentlich nur die Priester davon essen. Aber David gab sogar seinen Männern von den Broten." 27) Und Jesus sagte zu den Pharisäern: "Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht, nicht den Menschen für den Sabbat. 28) Also kann der Menschensohn auch bestimmen, was am Sabbat erlaubt ist."

Zur Predigtperikope

Sechs lange Sklaventage und nun endlich Feiertag, der uns wieder zu unbeschwerten Menschen befreit! Das schenkt uns Gott mit dem Sabbat, den wir am Sonntag als Auferweckungstag Jesu Christi feiern. Unsere „Rund-um-die Uhr-Gesellschaft“ bedroht diesen Freiheitstag ganz offensichtlich. Darum bietet das Predigtwort Mk 2,23-28 eine gute Gelegenheit, die Befreiungsbotschaft Jesu Christi auch zur Gottesgabe des Feiertags noch einmal besonders achtsam zu hören und zu beherzigen.

Endlich Sonntag: Hier bin ich Mensch - Gott sei Dank! In einem typisch rabbinischen Streitgespräch entkräftet Jesus sorgfältig die pharisäische Kritik an der Übertretung des Ernteverbotes am Sabbat durch seine Jünger mit einem schriftgelehrten, einem schöpfungstheologischen und einem christologischen Argument. Jesus verwirft damit keineswegs den Sabbat. Vielmehr erneuert er dessen Sinn als den von Gott geschaffenen Heilstag, der an Gottes gute Schöpfungsgabe erinnert und schon jetzt auf die in Jesu Wort und Tat anbrechende heilsame Gottesherrschaft verweist. (s. Schaller, S. 26f.) In unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft mit ihrer Tendenz zur ausschließlichen Werktagswoche ist der von Gott gesegnete und geheiligte Sabbat, den Christen am Sonntag feiern, als Freiheitstag äußerst gefährdet. Darum kann das Evangeliumswort Mk 2,23-28 als unüberhörbare Stimme der Heils- und Befreiungsbotschaft Jesu Christi (Mk 1,1) uns die kostbare Gottesgabe des Sabbats/Sonntags noch einmal neu erschließen: als geschenkte Zeit, mit der uns Gott aus der Gefangenschaft unserer Alltagswelt befreit und unsere königliche Freiheit als Kinder Gottes wieder herstellt, sodass wir – von unserer Zerrissenheit an Körper, Geist und Seele geheilt - schon jetzt teilhaben an Gottes neuer Schöpfung und ewiger Zeit.

Lieder

„Gott Lob, der Sonntag kommt herbei“ (EG 162), „Unser Leben sei ein Fest“ (EG 557), „Nun preiset all Gottes Barmherzigkeit“ (EG 502)

Lesungen

Psalm 98 2.Mose / Exodus 20,1-17 Markus 3,1-6

Literatur

Herbert Dieckmann, Predigtimpuls zu Mk 2,23-28, Deutsches Pfarrerblatt, Heft 9/2013, S.517. - Joachim Gnilka, Das Evangelium nach Markus, Neuenkirchen-Vluyn 2010. - Martina Janßen, Predigtmeditationen im christl.-jüd. Kontext, Perikope-R V, Wernsbach 2012. - Berndt Schaller, „Jesus und der Sabbat“, Franz-Delitzsch-Vorlesung Heft 3 Münster 1994. - Robert Spaemann: „Der Sonntag repräsentiert den Sinn“, FR-Dokumentation,16.9.1988, S.24. - Herman Wouk, „Er ist mein Gott“, W. Krüger Verlag, Hamburg, 1961, S. 64 ff.

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