Predigt

„Sei gnädig mit dir und Anderen …“

Wir haben alle die Möglichkeit, uns und unser Verhalten immer besser kennen zu lernen

PredigttextMatthäus 13,14-30 (mit exegetischer und homiletischer Einführung)
Kirche / Ort:Kürnberg und Gersbach / 79650 Schopfheim
Datum:31.12.2021
Kirchenjahr:Altjahresabend
Autor:Pfarrerin Ulrike Krumm

Predigt zu Mt 13, 24-30 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017) Kürnberg und Gersbach

24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. 26 Als nun die Halme wuchsen und Frucht brachten, da fand sich auch das Unkraut. 27 Da traten die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten? 29 Er sprach: Nein, auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. 30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt in meine Scheune.

Exegetische und homiletische Einführung

Das Gleichnis steht innerhalb einer größeren Sammlung von „Himmelreich“-Gleichnissen, wird also ursprünglich einen anderen Kontext gehabt haben. Das inspiriert mich dazu, mir einen solchen Kontext auszudenken.

Der Mensch, der die gute Saat aussät, ist am Anfang des Gleichnisses einfach nur ein „Mensch“ (anthropos) – der auch noch selber hingeht, um die Arbeit zu verrichten. Drei Verse später ist es ein Hausherr, sogar ein Despot (oikodespotes), der seine Sklaven (douloi) auf das Feld schickt. Der Feind, der das Unkraut sät, ist am Anfang sein Feind – also vielleicht ein ihm nicht wohlgesonnener Nachbar – dann aber abstrakter „ein Feind“. In der später folgenden Auslegung (V. 36-43) wird gar der Teufel daraus. Ich verstehe das als einerseits Distanzierung, andererseits Aufblähung des Geschehenen: wie sich Gerüchte verbreiten, oder Verschwörungstheorien. Der Feind „geht weg“ - dass er überhaupt da war, bleibt eine Vermutung.

Bei dem Unkraut handelt es sich nach Ulrich Luz um den „Taumel-Lolch“, auch Schwindelweizen und im Volksmund u.a. Teufelskraut (!) genannt, der zu Jesu Zeit im Mittelmeer-Raum häufiger vorkam – auch und gerade in Getreideäckern. Er führte zu Bewusstseins- und Sehstörungen (vgl. Wikipedia-Artikel). Was macht uns heute taumelnd und blind?! Vielleicht Menschen in unserem allernächsten Umfeld, die auf die Corona-Situation anders reagieren, als wir es erwartet hätten? Das Unkraut und der Umgang damit nehmen im Gleichnis den größten Raum ein. Aber pointiert steht am Anfang und am Ende die gute Saat bzw. der gute Weizen. Er füllt trotzdem die Scheune. Das kann Hoffnung machen!

Den Gottesdienst feiere ich in zwei Dörfern. In diesem Jahr wird die Stimmung nicht silvestrig-fröhlich und hoffnungsstark sein. Ich will mit der Predigt keine „schwere Kost“ zumuten, sondern das Gleichnis weitererzählen in unsere Zeit.

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Heinz Janssen
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