Predigt

Streitschlichten

Wege in der Nachfolge Jesu von Nazareth

Predigttext1.Korinther 1,26-31 (mit Exegese und homiletischen Überlegungen)
Kirche / Ort:Lübeck
Datum:07.01.2018
Kirchenjahr:1. Sonntag nach Epiphanias
Autor:Pastor i.R. Heinz Rußmann

Predigttext: 1.Korinther 1,26-31 (Übersetzung nach Martin Luther)

Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht (Jeremia 9,22- 23): »Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn! «

Kurze Exegese zum Predigttext

Teil 1

Paulus hatte von Streitigkeiten in Korinth gehört, welche die Gemeinschaft bedrohen. Offenbar geht es um Angeberei und Rechthaberei. Paulus geht auf ein Thema ein, das damals genau so aktuell ist wir heute: das Rühmen durch den Narzissmus . Christen fühlen sich auf verschiedene Weise als besonders gute und gutmütige Menschen und blicken leicht auf Menschen mit anderen Charakter-Schwerpunkten herab. Paulus macht sie daruf aufmerksam, dass jedes Angeben unchristlich ist. Christen sollen doch daran denken, dass die meisten Christen damals in Korinth eher aus den unteren Schichten der Bevölkerung stammen. Erst später stoßen ja auch Gebildete und Wohlhabende zur Kirche. Gott hat wie Jesus eine Vorliebe für die Außenseiter und Schwachen. Christen fühlen sich von Jesus geliebt, weil sie sonst nur schwache Sünder waren. An der Spitze der christlichen Religion steht nicht ein Kaiser , ein großer Wissenschaftler, Kriegsheld oder Gladiator, sondern ein gekreuzigter Heiland, der auch in Armut und in den Finsternissen des Lebens und im Tod bei uns sein kann. Dafür könnten wir allein uns rühmen.

Teil 2

Christen gehören alle zu Christus. Von Gott aus sind die Christen durch Jesus Christus verbunden, durch den auferstandenen, kosmischen Christus. Durch Christus werden wir erstens weise, zweitens gerecht, drittens heilig erlöst und viertens frei und zwar von Gott her.

Überlegungen zur Predigt

Im ersten Teil sollte über das immer aktuelle Thema der Streitigkeiten in der Gemeinde gepredigt werden. Auseinandersetzung, Diskussion und konstruktive Kritik sind unbedingt nötig, aber Feindseligkeit ist tödlich. Es geht dabei häufig ganz menschlich um offene, besonders aber verkappte Angeberei. Wie die moderne Psychologie nach dem bedeutenden Prof. Friedemann Schulz von Thun auch zeigt, hat jeder im inneren Team seiner Seele einen besonderen Charakter-Schwerpunkt, auf den er stolz ist. Paulus hat die vier offenbar schon gekannt. Wir sind 1. stolz auf unsere Weisheit, d.h. Intelligenz. Oder wir sind 2. stolz auf unseren liebevollen, heiligen Lebensstil. Verbreitet sind 3. die gerechten Christen, die auf ihre Korrektheit und Wahrhaftigkeit stolz sind und nie lügen. Oder wir sind 4. stolz auf unsere christliche Selbstbestimmung und Freiheit. Uns macht keiner Vorschriften. Auf alle pingeligen Gesetzeshüter Christen blicken sie herab. Durch Schulz von Thuns vier Pole kann man den nicht besonders prägnanten Paulus-Text heute dem Hörer nahebringen. Auch schon Sören Kierkegaard, Fritz Riemann: Grundformen der Angst und Eugen Drewermann verwenden diese Neurosenlehre. Jeder kann sehen, dass überall im Leben, in Filmen und in der Literatur und Politik die vier Pole herrschen. Überall geraten die vier Pole gegeneinander. In vielen Ehen, Vereinen, Betrieben und Kirchengemeinden herrscht deshalb Krieg.

Im zweiten Teil kann man dann sinnvoll über die Lösung predigen, welche Paulus betont: in Christus verbunden sein und ihm nachfolgen. Motto: Was würde Jesus tun?Denn Jesus verbindet im Fließgleichgewicht alle vier Pole. Zerstrittene Pole können sich nicht weiter polarisieren, auseinandergehen und verfeinden, sondern im gemeinsamen Feld in der Mitte können sich Gegner treffen und versöhnen. Das ist ein wichtiges Thema für die christliche Predigt. Das Großartige und Originelle des Textes ist, dass Paulus offenbar schon die vier Pole entdeckt hat und dass Jesus sie verbindet und versöhnt in der Kirche durch Gott.

Literatur: Prof. Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden Bd. 3. - Prof. Ulrich Wilckens, Das Neue Testament. - Eugen Drewermann: Psychoanalyse und Moraltheologie, Bd. 1, S.122ff.

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