Predigt

Volkstrauertag - nicht nur ein Rückblick

Umkehren ist möglich - muss es immer erst zur Katastrophe kommen?

PredigttextJeremia 8,4-7
Kirche / Ort:Lutherkirche / Karlsruhe
Datum:17.11.2013
Kirchenjahr:Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Autor:Pfarrerin Ulrike Krumm

Predigttext: Jeremia 8, 4-7 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

4 Sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? 5 Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen. 6 Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt. 7 Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.

Exegetische und homiletische Einführung

Mehr als doppelt so viele Worte braucht die deutsche Übersetzung wie der hebräische Text: 122 gegen 60. Abgehackt, hervorgestoßen klingt das Gesagte bei Jeremia. Wie der „Hammer, der Felsen zerschlägt“ (Jer 23,29). Aber auch wie ein Schluchzen. Als ob Gott fast zerbricht an der Unvernunft seines geliebten Volkes. „Ammi“, mein Volk, wie viel Zärtlichkeit klingt darin! 6 von den 60 hebräischen Worten stammen von der Wurzel schuw / umkehren ab. Das ist im Deutschen nicht wiederzugeben. Nicht nur Reue, sondern vor allem Bewegung liegt in dem Verb. Wer bewegt uns und wovon lassen wir uns bewegen? Wie entsteht wirkliche Veränderung des Verhaltens? Wo ist der Übergang vom Reden zum Tun?

Das Ende des Textes zentriert auf das Verb jada / wissen. Weisheitliches Denken spielt hinein: Naturbeobachtungen (Storch und Kranich) offenbaren eine Ordnung, die für die Menschen genauso gilt, die sie aber verlassen haben. Menschen brauchen eine Hilfe, die sie in diese Ordnung hinein bettet: Das Recht des Herrn. Etwas, was nicht ihrem eigenen Willen, sondern dem Willen Gottes entspringt.

Nichts Tröstliches verheißt der Text. Auch vorher und nachher nur Gerichtsworte. Aber eine Tendenz: von der Drohung zur Klage. In Jeremias Klage spiegelt sich die Klage Gottes. Von ihr allein geht Heilung aus. Das verstärkt noch einmal mehr den Umkehrruf. Den Ruf zum Sprung in Gottes weit geöffnete Arme.

Literatur: Roland Gradwohl, Bibelauslegungen aus jüdischen Quellen, Band 2, Stuttgart 1995.

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