Predigt

Wer war und wer ist Jesus?

Was wissen wir von Jesus, was glauben wir?

PredigttextMatthäus 10,34-39 (mit exegetischen und homiletischen Wahrnehmungen)
Kirche / Ort:Emmauskirche / Karlsruhe
Datum:24.10.2021
Kirchenjahr:21. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Kirchenrat Pfarrer Dr. theol. Heinz Janssen

Predigttext: Matthäus 10,34-39 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

Entzweiungen um Jesu willen

34 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. 35Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. 36Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. 37Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. 39Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

Exegetische Wahrnehmungen zum Predigttext

Die Perikope Mt 10,34-39 steht im Zusammenhang der Jüngerberufung und Nachfolge. Das Thema der familiären Konflikte und Spaltungen begegnet schon in Mt 10,21 („Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode ausliefern und der Vater das Kind; und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen“, vgl. Mk 13,12). Die Streitigkeiten entflammen u.a. an der Auseinandersetzung um Jesu Predigt vom Reich Gottes und an seinem Ruf, ihm sich anzuschließen, ihm nachzufolgen. Schmerzlich, wenn Glaube und Religion zur Trennung in Familien führen, die eigentlich ein Ort vertrauensvoller Gemeinschaft und des Daseins füreinander sein soll. Parallelen zur Predigtperikope Mt 10,34-39 sind Lk 12,51-53 (Entzweiung innerhalb der Familie), 14,26f. (Priorität der Jesusnachfolge, das Kreuz auf sich nehmen) und 17,33 (Leben finden und verlieren).

Auffallend in V. 34 („Meint nicht, ich sei gekommen…“) die parallele Aussage in Mt 5,17 („Meint nicht, ich sei gekommen, um das Gesetzt und die Propheten aufzulösen…“).

„Frieden“: Jesus spricht im eschatologischen Sinn vom künftigen ewigen Frieden und der endzeitlichen Aufrichtung der „basileia tou theou“, der vielfältige Bedrängnisse, Entzweiungen und Leiden vorausgehen.

„Schwert“ meint hier nicht Krieg (vgl. Mt 26,52), sondern Zerwürfnisse in Familien, „die sich an der Haltung zu Jesus entzünden bzw. durch Jesus selbst, etwa durch sein rigoroses Nachfolgeethos (vgl. 8,21f), hervorgerufen werden“ (M. Konradt, Das Evangelium nach Matthäus, NTD 1, Göttingen 2015, 169-173: 172).

V. 35f. („Denn ich bin gekommen, einen Menschen zu entzweien…“) ist Zitat aus Micha 7,6 („Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter widersetzt sich der Mutter, die Schwiegertochter ist wider die Schwiegermutter; und des Menschen Feinde sind seine eigenen Hausgenossen“).

„Das Provokante an Mt 10,34-36 ist, dass die Spaltung als Sinn und Ziel des Kommens Jesu ausgesagt wird […]. Den Jüngern wird auf diese Weise eingeschärft, dass sie sich nicht von unzutreffenden Vorstellungen über das Kommen des Messias leiten oder beirren lassen sollen“ (Konradt, 172).

Jesu Weg führt nicht in den menschlichen Triumph, sondern ins Leiden und ans Kreuz. Jesu Botschaft und sein Leben und alle, die sich ihm anschließen und nachfolgen, setzen Zeichen der neuen Welt Gottes. Sein Kreuz auf sich zu nehmen (V. 38), ist hier nicht weiter ausgeführt, es kann Leid tragen bedeuten (Mt 5,4), Konflikte aushalten, mit unvermeidlichen Verlusten in familiären und freundschaftlichen bisher harmonischen Beziehungen umgehen.

Die Perikope gibt mir das Thema der Predigt vor: Wer war und ist Jesus – Jesus für mich. Lasse ich für mein Jesusbild neue Erkenntnisse und Erfahrungen, auch anderer Menschen, zu? Mein momentanes Jesusbild lasse ich im Gottesdienst als Meditation vortragen (veröffentlicht in: Pastoralblätter. Predigt, Gottesdienst, Seelsorge, die Praxis, 161. Jg., Freiburg 2021, S. 929f.):

„Bei Dir, Jesu, will ich bleiben“

Hättest Du doch Deine Gedanken, Dein Wissen von GOTT, Deine Erfahrungen mit IHM, aufgeschrieben,

könnte heute Deine Manuskripte lesen, sooft mir danach ist, Deinen Geisthauch spüren.

Was gäbe ich dafür, eine Predigt, Sentenzen von Dir, in den Händen zu haben, Deine ureigenen Worte.

Wie gerne wüsste ich, was Du damals in den Sand geschrieben. Hast wohl mit Bedacht nichts Schriftliches hinterlassen,

Dein Rufen und Lehren dem Ohr anvertraut, dass in das Innerstes dringt, was von Dir vernommen,

aus dem Herzen kommt, was weitergeben. Botinnen und Boten weckte Deine Stimme, bis heute sind sie in aller Welt,

lesen und studieren in den Schriften, die von Dir erzählen, den Erfahrungen mit Dir, von heil werdendem Leben,

schöpfen daraus Kraft. Lernen möchte ich von Dir – Weg, Wahrheit, Leben, und bei Dir bleiben.

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