Predigt

Wie soll es weitergehen?

Ermutigung in Bedrängnis

Predigttext1.Petrus 2,1-10
Kirche / Ort:D-66989 Nünschweiler
Datum:27.07.2014
Kirchenjahr:6. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrerin Anke A. Rheinheimer

Predigttext: 1.Petrus 2,2-10 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

Das neue Gottesvolk 2 ... Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, 3 da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist. 4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. 5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. 6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.« 7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, 8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind. 9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; 10 die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Exegetische und homiletische Anmerkungen

Die Predigt greift die im Predigttext sich wiederspiegelnde Lage der jungen Christengemeinden im 1. Jhdt. in Kleinasien, zur Zeit der Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser Domitian, auf. Und sie bringt diese Verfolgungserfahrungen ins Gespräch mit der Situation verfolgter Christen heute, z.B. der Untergrundkirchen im kommunistischen China oder der Christen in Nigeria, die unter der grausamen Willkür militanter und extremistischer islamistischer Splittergruppen wie Bokon Haram leiden. Aber auch in Deutschland, in der DDR, waren Kirchenmitglieder vor noch nicht allzu langer Zeit staatlichen Repressalien ausgesetzt. Die politisch verordnete Religionslosigkeit war Alltagsrealität in der DDR. - Eine Situation, die Gott sei Dank seit 25 Jahren vorüber ist und von heute aus kaum mehr vorstellbar.

Umso dankbarer dürfen wir als Christen sein für die Religionsfreiheit und die Möglichkeit zum freien und offenen christlichen Bekenntnis in unserem Land. Auch uns gelten die Ehrentitel um Christi willen, mit denen im 1. Petrusbrief die jungen, bedrängten Christengemeinden in Kleinasien ermutigt und gestärkt werden: ihr seid „das auserwählte Geschlecht“, „die königliche Priesterschaft“, „das heilige Volk“, „das Volk des Eigentums“, „das Volk Gottes“ (V. 9-10). Diese hymnische Preisung, die an jüdischen Glaubensaxiomen orientiert, nämliche „an den biblischen Kategorien Erwählung und Heiligkeit“ (Brox, S. 94), geht dabei Hand in Hand mit mahnenden, paränetischen Aussagen im 1. Petrusbrief, die die Gemeinde zum Zusammenhalt und zum Tun des Guten einlädt. Sie werden dabei mit einem geistlichen Haus verglichen, für dessen Stabilität Christus als Eckstein Garant ist.

Zum Durchhalten will der 1. Petrusbrief, ein pseudepigraphisches Schreiben, das von seinem Trägerkreis Petrus zugeschrieben wurde, seine Adressaten ermutigen. Zum Mitleiden mit Christus hält er die bedrängten Glaubensgeschwister an - gerade in der Situation äußeren Drucks und innerer Zweifel und Anfechtung. Seine theologische Denkfigur ist die der „Parallelisierung zwischen Christus und der gläubigen Gemeinde“ (Brox, S. 95-96). Die Heilstat Jesu, sein Sterben für uns, um unsretwillen, das der 1. Petrusbrief durch seine Leidensthematik so stark betont, soll dabei das Movens für die Leidensbereitschaft und den guten Lebenswandel der Christinnen und Christen zu allen Zeiten sein. Denn im Leiden um Christi willen liegt trotz allem eschatologische Hoffnung.

Literatur

Schnelle, Udo, Einleitung in das Neue Testament, Göttingen 1994 Brox, Norbert, Der erste Petrusbrief (Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament XXI), Lizenzausgabe Leipzig 1979

Lieder

"Erd und Himmel sollen singen“ (EG 499) „Bei dir, Jesus, will ich bleiben“ (EG 406, nach der Predigt) „Die Erde ist des Herrn“ (EG 659)

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Heinz Janssen
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