Predigt

Zwiesprache

Woran sich zeigt, wer wir sind und wer wir sein dürfen

PredigttextJohannes 1, 29-34
Kirche / Ort:Dortmund
Datum:13.01.2013
Kirchenjahr:1. Sonntag nach Epiphanias
Autor:Pfarrer Johannes Gerrit Funke

Predigttext: Johannes 1, 29-34 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)

Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! Dieser ist`s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist`s, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeuge: Dieser ist Gottes Sohn.

Exegetische Skizze

Der Text ist in seinen beiden Teilen ähnlich aufgebaut. Auf einen berichtenden Satz folgt jeweils eine wörtliche Rede, in der eine andere wörtliche Rede zitiert wird. Der Text ist also durch und durch dialogisch strukturiert. Vom Wort, das im Anfang bei Gott war und durch welches alles geworden ist, handelt das vierte Evangelium in seinem hymnischen Prolog. Gottes Wort (griechisch: logos), so lässt die Perikope schon in ihrem Aufbau erkennen, ist in sich durch und durch dialogisch und immer auch Zwiesprache.

Die Aussage des Täufers vom Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, enthält neben einer Anspielung auf die Passahlämmer einen deutlichen Bezug auf Jes 53,7+12. Doch auch die Begabung mit dem Geist, der in Gestalt der Taube auf Jesus bleibt, verweist an den Knecht Gottes bei Jesaja (vgl. Jes 42,1) bzw. an den Spross aus der Wurzel Isais, auf dem nach Jes 11, 2 Gottes Geist ruht. In ihm sind Gottes hoheitliche Zwiesprache mit aller Welt und seine Zwiesprache auf Augenhöhe mit denen, die schon so gut wie verloren sind, vereint. Nicht von ungefähr ruft Gott gerade bei (Deutero-)Jesaja wiederholt alle Nationen zu einer Art öffentlichen Disputation auf (Jes 41,1ff; 43,9ff; 45,20ff u.ö.).

Zur Bedeutung von „Sünde“ im Johannesevangelium vgl. Joh 8,34;9,41;15,22+24. Sünde ist dort als eine eigendynamische Macht wahrgenommen. Sie vermag umso unkontrollierter zu wirken, je mehr sie geleugnet oder einzelnen Personen zugeschrieben wird (wie etwa dem Blindgeborenen, bzw. seinen Eltern in Kap. 9 oder der auf frischer Tat ertappten Ehebrecherin in Kap. 8). Zum Begriff des „sprachlosen Entsetzens“ vgl. B. van der Kolk u.a., Traumatic Stress, Paderborn 2000, S. 216 u.a.

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Heinz Janssen
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