Bruce Marshall: Keiner kommt zu kurz – Ein Buchhinweis von Christoph Kühne

„Keiner kommt zu kurz“ – dieses Buch von Bruce Marshall kann man (und muss?!) – obwohl vor über sechs Jahrzehnten veröffentlicht – drei mal lesen, um alle Nuancen zu verstehen. Dennoch hat es mit einem Lesen bei mir viel Seelentiefe bewirkt. Es ist ein „Seelen-Buch“, in dem das Leben eines katholischen Priesters in Paris erzählt wird. Dabei werden die Dimensionen allen kirchlichen Lebens und Wesens eindrücklich beschrieben. Mir kommt es manchmal vor wie ein Aquarellbild, bei dem die Farben miteinander verschwimmen. Und doch ist es eindeutig. Suchend. Tastend. Mit der Seele die Wahrheit schnuppernd! Der Abbe Gaston – ein Heiliger – ist ein Mensch, der sich selten wichtig nimmt. Doch der Leser spürt den Himmel um ihn offen. Auch in den beiden furchtbaren Weltkriegen. Und auch in der Zeit danach. Der Abbe Gaston scheint durch die Welt seiner Zeit zu schweben, als ob ihn alles nicht so sehr anginge. Was mir besonders aufgefallen ist in diesem Buch, das ist sein Hunger. Er hatte in seinem Leben kaum so viel, dass er „satt und zufrieden“ war. Hunger ist für mich ein besonderes Thema geworden, seit ich das Buch einer Schweizer Theologin gelesen habe, in dem sie die (neutestamentlichen) Texte der Bibel vom Hunger her liest und deutet („Wut im Bauch“ von Luzia Sutter Rehmann 2015). Der Abbe hat immer Hunger, und er ist dennoch „getragen“ von seinem Messbuch, den Worten der Hl. Messe, des Heiligen Schrift. Beides wird kontrastiert mit seiner Umwelt und der Welt der – heute Lesenden, also auch unserer Welt. Ein neu entdeckter, literarischer Schatz!

 

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