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Jaroslav Rudiš: Wo die Toten sprechen

Jaroslav Rudiš: Wo die Toten sprechen Luchterhand LiteraturverlagMünchen 2026, gebunden 235 S., 24,-- €

Der erfolgreiche, mit mehreren Preisen ausgezeichnete tschechisch-deutsche Schriftsteller Rudiš, dessen Werke in mehreren renommierten Verlagen erschienen (siehe zum Beispiel https://www.piper.de/autoren/jaroslav-rudis-6619; siehe auch den Klappentext) legt hier seinen neuen Roman vor.

Wohl weil ich mich seit längerem und intensiver mit den Themen Ende, Sterben und Tod befasse, triggerte mich der Titel. Und beim Lesen sprachen mich besonders die Sätze an, in denen Tote zu Wort kommen. Dass Freund Hain oder der Sensenmann eine Stimme hat, das wusste man schon im Mittelalter und ist bekanntermaßen in einigen Märchen so. Aber dass der Tod und die Toten passim eine so tragende Rolle spielen, das dürfte selten, ja fast singulär sein.

Das ist vielleicht zu einseitig gesagt. Denn – so auf dem Umschlageinband: „Ein temporeicher Roman voller lakonischem Humor. JaroslavRudiš bricht auf zu einer rasanten OdysseE und erzählt von Liebe, Freundschaft, Vergänglichkeit und davon, was uns in Europa zusammenhält.“ Gewiss, das auch. Aber das ganze ist mir zu schwarz eingefärbt, zu fiktional, zu irreal, zu negativ-phantastisch.

Auf S. 31 wird beispielsweise Miss Detroit vorgestellt. Schon als Kind „trugen ihre Puppen nur schwarze Kleider.“ Und sie sang ihren Puppen schöne Grablieder vor. Wenn siediese abends in den Schlaf wiegte, dann legte sie Blumen um sie herum, wie sie es auf den Friedhöfen gesehen hatte. Aber das ist noch längst nicht alles. „Als Miss Detroit fünfzehn wurde, bekam sie von den Großeltern Geld. Sie ließ sich die Haare schwarz färben, kaufte sich schwarze Kleider und bestellte einen Sarg. In ihrem Zimmer zog sie die Vorhänge zu und schlief in diesem Sarg, zusammen mit ihren Puppen.“

Trotz alledem könnte man versuchen, aufgrund der vielen Totenworte eine Thanatologie eigener Art zu finden, egal wie man die Aussagen im einzeln findet. Und dann ist Rudiš´ Roman sicherlich sehr materialreich und hilfreich für entsprechende Vorträge oder für den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe.

Gerhard Maier

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