Vom Ort des Menschen
Jürgen Kampmann u.a. Hg., Vom Ort des Menschen, Evang. Verlagsanstalt Leipzig 2023, kartoniert176 S.35,-- €
Sucht man im (christlich-kirchlichen) Büchermarkt nach Büchern über Gott, Glaube, Kirche und Mensch, so wird man zu diesen vier Themenfeldern bestimmt viele Titel finden. Man könnte diskutieren, welche Sparte Nummer eins ist. Hier vorzustellen ist auf jeden Fall ein anthropologischer Titel.
Das Buch geht zurück auf die 149. Tagung der Evang. Forschungsakademie, die Anfang 2023 in Berlin stattfand. Dort hatte sich die Rede vom Ort des Menschen in einer Fülle von Aspekten „als ein schier unerschöpfliches Thema“ (S. 10) gezeigt. Die acht in diesem Band veröffentlichten Beiträge spiegeln die im Vorwort genannte Fülle wieder. Im folgenden stichwortartig und exemplarisch einige Informationen zu vier Beiträgen.
Johann Hinrich Claussen veröffentlichte in 2020 „Von versteckten Kirchen, magischen Bäumen und verbotenen Schreinen. Die seltsamsten Orte der Religionen“. Sein Beitrag steht als erster, und er bezieht sich dreifach darauf. Der Punkt ist, dass jede Religion einen oder mehrere heilige Orte hat. Und, „dass die Wrelt voller Religion ist, ob es einem gefällt oder nicht.“ (S. 11 umgestellt )
Zwei der Beiträge kommen aus astronomischer Warte: Alfred Krabbe fragt aus drei Perspektiven heraus nach dem Ort der Erde im Universum (die Erde als statischer, dynamischer und stabiler Ort). In der Zusammenfassung vergleicht er am Ende die Erde mit einem „Schiff im interstellaren Raum mit sehr großen, aber dennoch begrenzten Ressourcen auf einer abenteuerlichen Reise mit unbekanntem Ziel.“ (S. 48) Für Interessierte: Er nennt eine ganze Seite Literatur.
Reinhold Ewald sieht den Menschen als „Weltbürger“ und als auch den Weltraum „Entdeckender. Am Ende erwägt er außerirdisches Leben und sieht angesichts der großen Zahl der Planeten im Universum diese Möglichkeit als gegeben und als „epochalen Paradigmenwechsel“. Der ehemalige Leipziger Alttestamentler bedenkt - nahe amText der hebräischen Bibel - mit „Land – Gott – Thora“ drei „Orte israelisch-jüdischer Existenz“.
Was vielleicht in einem Vortrag gesagt, nicht aber ins Buch aufgenommen wurde, ist der mMn zentrale Gedanke der Körperlichkeit menschlicher Existenz (nicht nur Geist, sondern leib-seelisch, ganzheitlich), also jeder Mensch in seiner Beziehung zu sich selber. Überhaupt wäre zu erwägen, ob die Leitfrage nach dem Ort nicht zu einem statischen Denken verleitet; viel elementarer als Orte sind jedoch prozesshafte Beziehungen. Trotz alledem ist der Sammelband höchst interessant, informativ und anregend.
Gerhard Maier