Predigt

Christliche Identität wahren?

Lernerfahrungen

PredigttextApostelgeschichte 10, 21-35 (mit Einführung)
Kirche / Ort:Ev. Kirchengemeinden Schopfheim und Fahrnau
Datum:25.01.2026
Kirchenjahr:3. Sonntag nach Epiphanias
Autor:Pfarrerin Ulrike Krumm

Predigttext: Apostelgeschichte 10, 21-35 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern und sprach: Siehe, ich bin’s, den ihr sucht; aus welchem Grund seid ihr hier? 22 Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat einen Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. 23 Da rief er sie herein und beherbergte sie. Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen, und einige Brüder aus Joppe gingen mit ihm. 24 Und am folgenden Tag kam er nach Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. 25 Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, auch ich bin ein Mensch. 27 Und während er mit ihm redete, ging er hinein und fand viele, die zusammengekommen waren. 28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll. 29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich geholt wurde. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt holen lassen. 30 Kornelius sprach: Vor vier Tagen um diese Zeit betete ich um die neunte Stunde in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand 31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 So sende nun nach Joppe und lass herrufen Simon mit dem Beinamen Petrus, der zu Gast ist im Hause des Gerbers Simon am Meer. 33 Da sandte ich sofort zu dir; und du hast recht getan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott zugegen, um alles zu hören, was dir vom Herrn befohlen ist. 34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; 35 sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm. (Lutherbibel 2017)

Exegetische und homiletische Einführung

Wer gehört dazu und wer nicht? Wie können Kirchen und Gemeinden ihre Identität wahren und trotzdem den Zeitumständen Rechnung tragen?

Konfessionslose Mitarbeitende in evangelischen Kitas sind keine Seltenheit mehr. Aus Personalnot. In unserer Landeskirche wird bald entschieden, ob man Patenschaft auch für konfessionslose Menschen ermöglicht. Und sollten wir auch Trauungen für Paare feiern, bei denen keine/r einer christlichen Kirche angehört?

Wie steht es mit den „Quereinsteigern“ in den Pfarrberuf, die wir nach dem Ruhestand der „Boomer“ dringend brauchen? Müssen sie noch beide biblische Ursprachen nachlernen? Wo ziehen wir unsere Grenzen eng? Wo weiten wir sie?

In Südbaden leben wir im Grenzgebiet. Einige gemeindenahe Menschen sind jüngst aus der Kirche ausgetreten. Sie arbeiten in der Schweiz, verdienen gut und zahlen entsprechend hohe Kirchensteuer. Durch die Grundsteuer-Reform müssen sie für ihr Eigenheim einen zum Teil 8-10fachen Betrag entrichten. Ihr Kirchenaustritt ist eine Möglichkeit, dies auszugleichen. Gehören sie jetzt nicht mehr zu uns?

In unserer Gemeinde hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden, die überlegt, wie man das Glaubensbekenntnis so umformulieren kann, dass es auch für „Uneingeweihte“ plausibel klingt. Zum Beispiel die „Gemeinschaft der Heiligen“. Wer ist da gemeint? Gehört das noch ungetaufte Kind gläubiger Eltern dazu? Was heißt „heilig“? Wer tut etwas dazu, damit ich „heilig“ werde: Gott oder ich selbst? Geht es hier um Grenzziehung? Oder um die Qualifizierung? Durch wen erfolgt diese Qualifizierung? Und welche Grenzen könnten wir in unseren persönlichen Leben weiten?

Der Predigtabschnitt beschreibt die Lernerfahrung zweier unterschiedlicher Menschen, Petrus und Kornelius. Für beide weiten sich Grenzen. Aber verwässert wird nichts! Der die Grenzen weitet, ist eindeutig Gott. Und keine finanzielle oder personelle Zwangslage! Spannend ist die Formulierung in Apg 10,35: Das Wort „angenehm“ entstammt der Sprache des Opfers. In Phil 4,18 nennt Paulus die materielle Unterstützung, die ihm die Gemeinde in Philippi in seiner Gefangenschaft zusendet, ein „Gott wohlgefälliges Opfer“. Der Raum des Heiligen ist also berührt.

Neuigkeiten

Weihnachtsgruß 2025

Gott spricht: Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln...

Manfred Wussow, Rezension zum Buch von Heinz Janssen "Aus den Quellen schöpfen"

im Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt, Heft 12 / Dezember 2025: https://www.pfarrerverband.de/rezension-detailansicht/aus-den-quellen-schoepfen

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Heinz Janssen
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