"Ein Herz und eine Seele..." - Einmütigkeit in Glauben und Leben
Bleibende Aufgabe(n) der Kirche
| Predigttext | Apostelgeschichte 4,32-37 (mit Einführung) |
|---|---|
| Kirche / Ort: | 66989 Nünschweiler |
| Datum: | 07.06.2026 |
| Kirchenjahr: | 1. Sonntag nach Trinitatis |
| Autor: | Pfarrerin Anke Andrea Rheinheimer |
Predigttext: Apostelgeschichte 4,32-37 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)
Die Gütergemeinschaft der ersten Christen
32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. 33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. 34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte 35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. 36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, 37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
Exegetische und homiletische Vorbemerkungen
Die Predigtperikope für den 1. Sonntag nach Trinitatis, Apg 4,32-37, zeichnet ein „ideales Bild“ der frühen Kirche. In der Urgemeinde herrscht Einmütigkeit im Glauben. Aber nicht nur die Gnadengaben Gottes werden miteinander geteilt, sondern auch die materiellen Güter, so dass im Bedarfsfall durch den Verkauf von Privateigentum die Not bedürftiger Gemeindeglieder gelindert werden kann. Als Beispiel dafür wird der zyprische Levit Barnabas erwähnt, der der Gemeinde für notleidende Geschwister den Erlös eines seiner Äcker spendet. Niemand sollte Mangel erleiden müssen. Jedoch wird hier nicht ein vollständiger Verzicht auf Privateigentum in der Urgemeinde begründet.
Das Urchristentum ist nicht auf eine sozialrevolutionäre Bewegung zu reduzieren. Es geht in Apg 4 um christliche Liebestätigkeit in aller Freiheit und Freiwilligkeit, im Gegensatz zur Qumrangemeinde, die den generellen Besitzverzicht zu einer ihrer „Klosterregeln“ machte. Hier, wie in der gesamten Apostelgeschichte, haben die Apostel als Säulen der Gemeinde die besondere Aufgabe der Verkündigung, deren Hauptinhalt die Auferstehung Jesu Christi ist.
Das missionarische Zeugnis ist gleichzeitig allen Gemeindegliedern aufgetragen. Dabei ist der Heilige Geist die treibende und verbindende Kraft. Die Gemeinde wird idealtypisch und vorbildhaft dargestellt, um der Gemeinde und Kirche Orientierung für die Zukunft zu geben. Aber auch Konflikte, etwa bei der Frage der Heidenmission, und Fehltritte innerhalb der Gemeinde werden nicht verschwiegen. Die Predigt bringt diese idealtypische Darstellung mit den aktuellen Veränderungen („Transformation“) in unseren Landeskirchen ins Gespräch.
Literatur
K. Berger, Kommentar zum neuen Testament, Gütersloh 2 2012; W. Kraus, M. Tilly, A. Töllner (Hrsg.), Das Neue Testament – jüdisch erklärt, Stuttgart 2021.
Liedempfehlungen
„Von Gott will ich nicht lassen“ (EG 365, Wochenlied) „Herz und Herz vereint zusammen“ (EG 251) „Brich mit den Hungrigen dein Brot“ (EG 420)