Gastfreundschaft
Stärkender Zusammenhalt
| Predigttext | Hebräer 13,1-3 (mit Einführung) |
|---|---|
| Kirche / Ort: | Worms |
| Datum: | 19.07.2026 |
| Kirchenjahr: | 7. Sonntag nach Trinitatis |
| Autor: | Pfarrin i. R. Dorothea Zager |
Predigttext: Hebräer 13,1-3 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)
1 Die geschwisterliche Liebe bleibe unter euch erhalten. 2 Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt. 3 Gedenkt der Gefangenen, als ob ihr selbst mitgefangen wäret, der Misshandelten als solche, die ebenfalls noch im Leibe sind.
Einführung
Als Schriftlesung bietet sich Gen 18,1-16 an, auch wenn dieser Text nicht zum Proprium dieses Sonntags gehört. Die Geschichte vom Besuch der drei Männer im Hain Mamre drängt sich aber inhaltlich auf, denn es geht auch hier wie im Predigttext um Gastfreundschaft. Es gäbe dem Gottesdienst eine besondere inhaltliche Stringens, wenn in diesem Gottesdienst auch das Abendmahl gefeiert werden könnte.
Ich empfehle zur Vorbereitung der Predigt die exzellente Exegese von Prof. em. Dr. Christian Rose und die konkreten Predigtideen von Melina Racherbäumer unter https://bibelwissenschaft.de/stichwort/500203, die hier gekürzt wieder gegeben werden: Gastfreundschaft lässt Gott herein
1Ἡ φιλαδελφία μενέτω. 2τῆς φιλοξενίας μὴ ἐπιλανθάνεσθε, διὰ ταύτης γὰρ ἔλαθόν τινες ξενίσαντες ἀγγέλους. 3μιμνῄσκεσθε τῶν δεσμίων ὡς συνδεδεμένοι, τῶν κακουχουμένων ὡς καὶ αὐτοὶ ὄντες ἐν σώματι.
Hebräer 13,1-3, Übersetzung
1 Die geschwisterliche Liebe bleibe unter euch erhalten. 2 Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt. 3 Gedenkt der Gefangenen, als ob ihr selbst mitgefangen wäret, der Misshandelten als solche, die ebenfalls noch im Leibe sind.
1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung
Der Hebr umschreibt mit dem Wort φιλαδελφία die „Bruder- bzw. Geschwisterliebe“ (Röm 12,10; 1Thess 4,9; 1Petr 1,22). Der Begriff φιλοξενία drückt in der Antike und in der biblischen Tradition die Hochschätzung der „Gastfreundschaft“ aus.
2. Literarische Gestaltung
Im Schlusskapitel 13 nimmt der Prediger vielfach Bezug auf seine gesamte Hebräerpredigt und übersetzt deren „hohe Theologie“ in das konkrete Leben der Gemeinde. Dabei verbindet er in zwei Abschnitten (13,1–19; 13,20–25) urchristliche ethische Unterweisungen (Geschwisterliebe, gemeindliche Solidarität, Eheethos, genügsame Lebensweise) mit Ermahnungen für den Gemeindealltag (Respekt gegenüber Gemeindeleitungen, Achthaben auf Irrlehre, Gegenseitige Wohltätigkeit).
3. Kontext und historische Einordnung
Die Aufforderung zur geschwisterlichen Liebe (V. 1) bildet gleichsam die Überschrift zu den anschließenden Ermahnungen, die den Alltag der Gemeinde betreffen. Die Bruder- und Geschwisterliebe bezieht sich ursprünglich auf die Zuwendung zu den Bluts- und Stammesverwandten (4Makk 13,23.26; 14,1 u.ö.). Das Urchristentum weitet die familiäre Verbindung aus auf die christliche Gemeinde (z.B. Röm 12,10; 1Thess 4,9f.; 1Petr 1,22).
Im Hebr hat dieser familiäre Zusammenhalt seinen christologischen Grund in der „leiblichen Verwandtschaft“ der Gemeinde mit Jesus, der als treuer und barmherziger Hoherpriester den Menschen zum Bruder wurde (2,17). Es geht um den stärkenden Zusammenhalt innerhalb der bedrängten Adressatengemeinde. Die geschwisterliche Liebe ist das Band, das die Gemeinde zusammenhält (vgl. Kol 3,14). Es droht zu reißen und zu zerbrechen, wenn Gemeindeglieder die Gemeindeversammlungen verlassen. Deshalb sollen die Geschwister aufeinander achthaben und sich gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen (10,24f.).
Die folgenden Ermahnungen (V. 2–6) zeigen exemplarisch auf, worin sich diese geschwisterliche Liebe zeigt. Allen voran stellt der Hebr die Gastfreundschaft (V. 2). Ihr kommt in der klassischen Antike, in der biblischen Überlieferung sowie in der außerbiblischen jüdisch-christlichen Literatur eine besondere Hochschätzung zu. Der griechische Begriff φιλοξενία weist in seiner Wurzel über das eigene soziale Umfeld hinaus. Die Verpflichtung zur gastfreien Aufnahme zielt grundsätzlich auf den Fremden (ξένος) und zählt zu den Werken der Barmherzigkeit (Mt 25,35). Der Hebr denkt wohl vor allem an die reisenden Glaubensgeschwister, die auf gefährlichen und abenteuerlichen (Missions-)Reisen im Netzwerk gastfreier Gemeinden sicher unterkommen sollen. Offensichtlich war dies aber nicht selbstverständlich, sonst hätte es keiner Ermahnung bedurft (Röm 12,13; 16, 1f.; 3Joh 5–8).