Predigt

Gottes unverwechselbares Merkmal

Barmherzigkeit

PredigttextMicha 7,18-20 (mit Einführung)
Kirche / Ort:Worms-Horchheim und Wiesoppenheim
Datum:21.06.2026
Kirchenjahr:3. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrer Dr. Raphael Zager, Wiss. Mitarb.

Predigttext: Micha 7,18-20 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! 19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Exegetische und homiletische Hinführung

Micha 7,18–20, der Schluss des Michabuches, endet mit einem Lobpreis auf Gott. Der Hymnus bündelt zentrale Themen des ganzen Buches: Schuld, Gericht, Verlust und zugleich Gottes bleibende Treue. Auffällig ist dabei, dass die Einzigartigkeit Gottes nicht an seiner Macht oder Größe festgemacht wird, sondern an seiner Vergebungsbereitschaft. Die einleitende Frage „Wer ist ein Gott wie du?“ greift zugleich den Namen des Propheten Micha auf und wird zum Bekenntnis der Gemeinde: Gottes unverwechselbares Merkmal ist seine Barmherzigkeit.

Der Text entfaltet diese Zusage in eindrücklichen Bildern. Präziser aus dem hebräischen Text übersetzt „trägt“ Gott die Schuld und „geht an Verfehlungen vorbei“ (V. 18). Gott tritt die Sünden nieder und wirft sie in die Tiefen des Meeres (V. 19). Schuld wird nicht verharmlost, aber sie erhält nicht das letzte Wort. Die Bilder beschreiben Gottes aktives Handeln gegen alles, was die Beziehung zwischen ihm und seinem Volk zerstört. Besonders das Bild vom Versenken der Sünden im Meer macht deutlich: Was Gott vergibt, soll nicht wieder hervorgeholt werden.

Homiletisch eröffnet der Text die Chance, über Schuld und Vergebung zu sprechen. Eine Herausforderung, bedenkt man, dass das Bild eines zornig-strafenden bzw. gnädig-vergebenden Gottes sowie überhaupt die (theologische) Vorstellung von Sünden vielen Menschen heute unplausibel und fremd geworden ist. Idealerweise gelingt es in der Predigt, passend zum Proprium des Sonntags, Gottes gnädiges Handeln an denen, die sich schon verloren glaubten, mit gegenwärtigen Erfahrungen zu verbinden – was bedeuten Sünde und Vergebung heute? Wo erfahren Menschen einen Gott, der ihrer Schuld die Macht nimmt, der die Sünden, bildlich gesprochen, in die Tiefen des Meeres wirft? Darin besteht die Brücke zum 3. Sonntag nach Trinitatis mit seinen biblischen Texten von der rettenden Gnade Gottes, insbesondere zum Gleichnis vom verlorenen Sohn. Wie dort der Vater dem Heimkehrenden entgegenläuft, so zeigt Micha einen Gott, der Freude daran hat, neu anzufangen.

Schlagworte: Sünde; Schuld; Vergebung; Gnade

Lektürehinweise

Rainer Kessler, Micha (HThKAT), Freiburg u.a. 1999; Marianne Grohmann, Exegese kompakt: Micha 7,18-20 u. Cornelia Reuter, Praktisch-theologische Resonanzen (URL: https://www.die-bibel.de/ressourcen/efp/reihe2/3-nach-trinitatis-micha-7)

Lieder

„Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“ (EG 638) „Lobe den Herrn, meine Seele (Ps 103)“ (EG+ 87)

Neuigkeiten

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Heinz Janssen
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