Trinitatis – Heilige Dreifaltigkeit
Ein neuer Blick auf die Welt
| Predigttext | 4. Mose / Numeri 6,24-26 |
|---|---|
| Kirche / Ort: | Karlsruhe |
| Datum: | 31.05.2026 |
| Kirchenjahr: | Trinitatis (Dreieinigkeitsfest) |
| Autor: | Pfarrer Dr. Uwe Hauser |
Predigttext: 4. Mose / Numeri 6, 24 – 26 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)
24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Die Bahnhofstrasse in Frankfurt ist immer sehr belebt. Wer vom Zug in die Innenstadt will muss sie durchqueren. An diesem belebten Vormittag schob ich mich durch die Menge der Reisenden, Pendler und Touristen. Plötzlich rief jemand meinen Vornamen. Unwillkürlich blieb ich stehen, drehte mich um, hielt Ausschau nach dem Rufer. Da endlich entdeckte ich ihn, ein alter Freund hatte mich gerufen. Wunderbarerweise stellte der Name sofort die Verbindung her. Der Name reichte, mich zu aus hunderten herauszudeuten, denn im Namen stecke ich drin. Mein Name, ist mein ganzes Wesen, bin ich selbst.
Sie kennen auch den umgekehrten Fall: Da hat jemand, der mich kennen sollte, meinen Namen vergessen, verwechselt, er ist ihm gerade jetzt abhanden gekommen und er druckst herum, und endlich fragt er vorsichtig nach meinem Namen. Da bin ich vielleicht beleidigt, denn meinen Namen sollte er doch kennen. Den Namen nicht zu kennen, so setze ich es mit einem inneren vielleicht falschen Voruteil voraus, heißt auch: die Person ist mir gleichgültig und unwichtig.
Den Namen kennen bedeutet immer: Dieser Mensch hat ein Gesicht, ist in meiner Erinnerung, geht in der Masse der Menschen nicht unter. Deswegen wird auch bei der Taufe, über dem Täufling der Namen Gottes ausgerufen. Das Kind wird getauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dies Kind mit diesem Namen hat nun einen Namen, der im Himmel angeschrieben ist. Einen Namen, den Gottnun nicht mehr vergessen wird.
Die Taufe macht uns einen Namen im Himmel. Wir gehören damit zu Gott. Wir sind bei Gott keine Nummer und kein Code, wie wir es für die Krankenkasse und das Finanzamt sind, wir sind bei Gott keine Häufung von Zellen, wie wir das für die Biologie darstellen, wir sind kein Produkt einer Sternkonstellation, wie uns das die Astrologen einreden. Nein, wir haben in der Taufe einen Namen bekommen.
Wir sind Gottes geliebte, einfürallemal angenommene Kinder. Das heißt dort, wo es wirklich zählt, bin ich angeschrieben und bekannt. Niemand kann mich von dort löschen, kein Klick und kein Algorithmus, es sei denn ich täte es selbst. Ich habe nun bei Gott einen Namen, aber Gott hat auch seinen Namen auf mich gelegt und gesagt: Dies Kind gehört zu mir. Er hat erklärt, dass ich sein eigen bin und zu ihm gehöre.
Was für ein Gott ist das, der seinen Namen auf mich legt, der sein Angesicht leuchten lässt über mir? Welches Angesicht trägt er? Der Antworten werden im Augenblick die Fülle gegeben. Die einen behaupten: Gott ist Einer und Alles. Ob bei den Hindus, Muslimen, Buddhisten oder Christen: überall sei es derselbe Gott. Oder es wird behauptet, Gott sei der Grund, auf den wir nicht zugreifen können, er ist so eine Art Energie, die unsere Welt durchzieht. Wieder andere halten Gott für einen dunklen unzugänglichen Gott, den wir nicht verstehen können. Warum sollten wir uns dann mit ihm beschäftigen?
Als Christen glauben wir an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Was bedeutet das? Da ist zunächst einmal der Name des Vaters. Woher wissen wir, dass wir zu Gott „Vater" sagen dürfen? Weil Jesus es uns im Vaterunser beten lehrt und gesagt hat, dass Gott kein drohendes dunkles Schicksal ist, vor dem wir Angst haben müssen, sondern der liebende Vater. Die Erde ist voll der guten Gaben des himmlischen Vaters. Leider gibt es Kinder, die hungern. Umso wichtiger ist der Auftrag an uns, ihnen Anteil zu geben an den Gütern der Erde.
Es ist ein neuer Blick auf die Welt, wer in ihr an allen Enden und Ecken den Namen des Vaters erblickt, dass er sein Angesicht über uns leuchten lässt. Aber das ist noch nicht alles. Gott hat uns sogar sein Angesicht gezeigt. Dann da ist der Name Jesus Christus, der über allen Namen ist, die im Himmel und auf Erden genannt werden.
Wohl werden viele Namen über uns genannt. Schauen wir uns einmal die Politbarometer Woche für Woche an, welche Politiker gerade wieder einmal oben schwimmen! Welche Menschen gerade wieder einmal wichtig sind, welche Stars und Sternchen gerade wieder einmal die Idole der Menschen bilden: Diese Namen vergehen. Heute werden sie genannt, und morgen sind sie schon vergessen.
Der Name Jesu wird aber nie verklingen. Denn obwohl Jesus göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen unaufgebbaren Besitz, Gott gleich zu sein. Nein, er wollte nicht bei Gott bleiben und damit weit weg von uns Menschen. Er beugte sich vielmehr herab zu uns, er wurde ein Mensch wie wir. Er beugte sich soweit zu uns Menschen herab, dass er sogar den schändlichsten Tod auf sich nahm, den es unter uns Menschen gibt. Er starb den Tod am Kreuz. Da er sich herabgebeugt hat aus überragender Höhe in die größte Tiefe, hat ihm Gott auch einen Namen gegeben, der alle anderen Namen überstrahlt.
Jesus war groß bei Gott und hat sich selbst ganz klein gemacht. Nun dürfen wir wissen: Es gibt keine Tiefe, in die er nicht mitgeht. Das ist eben sein Name: Jesus. Auf Deutsch: Gott hilft. Das erfahren wir dann auch am Namen Gottes, den wir den Heiligen Geist nennen. Der Heilige Geist bleibt nicht fremd, er kommt in unser Herz und ist uns so nahe, wie uns kein Mensch nahe kommen kann, nicht einmal wir uns selbst nahe kommen können.
Der Heilige Geist lässt uns Gottes Gebote nicht mehr als fremde böse Regel verstehen, die wir nun einmal zu tun haben. Wenn Gottes Geist in unseren Herzen ist, halten wir uns gern an seine Gebote. Sein Geist gibt uns neuen Mut, wenn wir nicht mehr weiter wissen, und warnt uns davor, falsche Wege zu betreten. Gott ist unser Vater, im Sohn ist er gegenwärtig, und im Heiligen Geist ist er der Antrieb unseres Lebens. Besseres kann uns nicht widerfahren.