Predigt

Weitergehen auf den Spuren des Schmerzes – bis zum Gotteslob

Solidarität – Die eigene Schuld erkennen

PredigttextRömer 9,1-5 (mit Einführung)
Kirche / Ort:Karlsruhe
Datum:02.08.2026
Kirchenjahr:10. Sonntag nach Trinitatis
Autor:Pfarrerin Kira Busch-Wagner

Predigttext: Römer 9, 1-5 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

1Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im Heiligen Geist, 2dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe. 3Denn ich wünschte, selbst verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch. 4Sie sind Israeliten, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, 5denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Gott, der da ist über allem, sei gelobt in Ewigkeit. Amen.

Lesung 2. Könige 25, (1-7) 8-21 (vgl. Jeremia 52)

Psalm 74 (Einführung in das Psalmgebet: Eine Unterweisung Asafs, so wird Psalm 74 in der Bibel eingeleitet. Asaf heißt Sammler. In der Schrift begegnet er uns als eine Art Generalmusikdirektor des Königs David.Es könnte – vielleicht ihm zum Gedenken – auch einer seiner Nachkommen den Psalm geschrieben, gebetet, festgehalten haben, denn der Psalm zeigt: Er wird vermutlich fast ein halbes Jahrtausend nach dem legendarischen König David gebetet. Der Psalm schaut auf die Zerstörung Jerusalems, auf die Zerstörung des Tempels, vielleicht auch auf den Missbrauch des Tempels durch griechische Eroberer. Wie auch immer. Von Asaf oder eben von seinen Nachkommen lassen wir uns einweisen und unterweisen und mit den um Stadt und Tempel Trauernden sprechen: ….)

Lieder EG 454 „Auf und machet die Herzen weit“ (Refrain entstammt den Klageliedern) EG 533 „Du kannst nicht tiefer fallen“ NL 17 „Frieden gibt der Herr“

Hinführung zum Israelsonntag und zur Thematik „Zerstörung Jerusalems“.

Wohl kein Ereignis ist so relevant für die Herausbildung innerbiblischer wie nachbiblischer Theologie und gleichzeitig in den Gemeinden als historisches Datum und als theologischer Wendepunkt dermaßen unbekannt wie die doppelte Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem. Auch wenn viele in gewissem Umfang vertraut sein mögen mit einzelnen Versen aus den Klageliedern und aus Psalmen, die auf die Zerstörung reflektieren, auch wenn manches der exilischen wie nachexilischen Literatur (Schöpfungsgeschichte) bekannt ist, so doch in der Weise, dass sich kaum jemand des Sitzes im Leben solcher Texte bewusst ist. Zu sehr, zu oft wird die kanonische Ordnung als eine chronologische verstanden (und die Schöpfungsgeschichte als Beginn, wie natürlich von der Redaktion gewollt).

Wo – wie es zum Beispiel eines der Kirchenfenster der evangelischen Christuskirche in Karlsruhe tut – ikonographisch oder literarisch auf die Tempelzerstörung und die Trauer des Volkes Bezug genommen wird, so meist in dem Sinne, dass ein Spätjudentum hier seinem Ende entgegengehe. So entsetzlich das historische Geschehen der Zerstörung von Stadt und Tempel ist, so produktiv – das zeigen die biblischen Bücher – der theologische Umgang damit. Von daher hat das Gedenken am Israelsonntag zum einen den Bezug zum Trauer- und Fastentag des 9. Av (im Jahr 2026 am 23. Juli); zum anderen aber eröffnet gerade der kleine Abschnitt des Paulus im Römerbrief 9, 1-5 das Staunen über die Treue Gottes über die Untergangsszenarien hinweg.

Literatur Schneider, Holger: 10. Sonntag nach Trinitatis: Psalm 74,2. In: Bergrich, Gerhard, Uhle-Wettler, Jörg: Vergessene Texte. Mit den Psalmen durch das Kirchenjahr. Assoziationen. Stuttgart 2003. Volkmann, Evelina: Vom "Judensonntag" zum "Israelsonntag": Predigtarbeit im Horizont des christlich-jüdischen Gesprächs. Stuttgart 2002. Wick, Peter: Schmerz bei Paulus: Andeutungen und Auslassungen. In: Greschat, Katharina, Jahnel, Claudia (Hgg), Den Schmerz begegnen, Bielefeld 2021. S. 49-58.

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