Predigt

Zeitansage(n)

Es ist gut, noch etwas zu erwarten, was noch nicht ist

PredigttextJeremia 31,31-34 (mit Einführung)
Kirche / Ort:Aachen
Datum:17.05.2026
Kirchenjahr:Exaudi (6. Sonntag nach Ostern)
Autor:Pfarrer Manfred Wussow

Predigttext: Jeremia 31,31-34 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 2017)

Der neue Bund

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Vorüberlegungen zum Predigttext

Ich lade ein, die Beiträge von Hannes Bezzel und Antje Roggenkampin https://www.die-bibel.de/ressourcen/efp/reihe2/exaudi-jeremia-31 wahrzunehmen.

Hannes Bezzel: „Zwei Aspekte der Perikope fordern die Auslegung besonders heraus. Der erste betrifft die Frage der menschlichen Freiheit. Das Bild des „Bundes“ für das Gottesverhältnis entstammt dem Vertragswesen; Vorbilder sind der Ehevertrag und der Vasallenvertrag. Beide setzen, mehr oder weniger, die Zustimmung beider Vertragspartner voraus. Beim „neuen Bund“ von Jer 31 findet sich davon freilich nichts. Er wirkt wie ein „Angebot, das man nicht ablehnen kann“ und wird durch den chirurgischen Eingriff der Inskribierung der Tora entsprechend gesichert. Was bedeutet das für das menschliche Wesen und seine Freiheit?

Der zweite zentrale Punkt betrifft natürlich die Rede vom „neuen Bund“ überhaupt. Man weiß von zwei Gruppen, die um die Zeitenwende auf diese Formulierung Bezug nehmen: Zum einen die „Gemeinschaft“ (Jachad), die aus einem Teil der nichtbiblischen Texte vom Toten Meer (Qumran) bekannt ist. Sie nennt sich in der Damaskusschrift (CD) auch „Neuer Bund im Lande Damaskus“ und definiert sich in scharfer Abgrenzung zu anderen jüdischen Gruppierungen. Eine andere ist die Jesusbewegung.

Die Abendmahlsworte in der Fassung, wie sie bei Lukas und Paulus überliefert sind (Lk 22,201Kor 11,25) berufen sich auf den „neuen Bund“. In 2Kor 3,6 spricht Paulus von den „Dienern des neuen Bundes“ – und im Hebräerbrief (Heb 8,7–13) wird der „neue Bund“, verstanden als die Gemeinschaft der Christusgläubigen, heilsgeschichtlich scharf vom „alten Bund“, verstanden als die Gemeinschaft der nicht an Christus glaubenden Juden, abgegrenzt. Aus dieser Denkfigur entstand die sogenannte „Ablösungstheorie“: Das Christentum, sich selbst verstehend als Gemeinschaft des Neuen Bundes, habe Israel, das Judentum, definiert als die Gemeinschaft des Alten Bundes, heilsgeschichtlich abgelöst.

Diese „Substitutionstheologie“ war und ist verhängnisvoll. Sie diente zur Legitimation von Entrechtung, Verfolgung und Mord – und sie ist nach wie vor präsenter und verbreiteter, als man meinen möchte. Sie ist außerdem, mit Blick auf Jer 31, schlicht exegetisch falsch. Das Israel, dem Gott hier einen neuen Bund verheißt, ist kein anderes Israel als das Israel des „alten Bundes“. Die Tora, die Gott in die Herzen schreiben wird, ist keine andere als die Tora des Mose. Und schließlich macht es der Kontext, machen es die folgenden Verse unzweideutig klar: Gottes Bekenntnis zu Israel als seinem Volk gilt so unverbrüchlich wie die Ordnungen der kosmischen Kräfte (31,35–36).“

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Heinz Janssen
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